Begrüßung Alpha Spring-Stiftung

Dr. med. Kilian Mehl

13.03.2005

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie recht herzlich zu unserem heutigen Gründungsfest der Stiftung Alpha Spring - Wasser für die Welt.

Besonders begrüßen darf ich als Vertreter der Politik Herrn Regierungspräsident Wickert, der nachher noch zu Ihnen sprechen wird, Herrn Bürgermeister Christoph Frick der Gemeinde Bodnegg, Herrn Bürgermeister Locherer aus Amtzell, natürlich den CDU-Vorsitzenden Eugen Abler, der bei vielerlei Aktivitäten sehr engagiert ist, so auch hier bei diesem Projekt.

Und um den Bezug zur Entwicklungsgeschichte von Alpha Spring herzustellen, begrüße ich Herrn Dr. Horst Walther aus Hamburg. Dr. Walther hat als Chemiker 1977 eine Expedition in die Danakil-Wüste begleitet. Die Danakil-Wüste liegt zwischen Äthiopien und Eritrea und ist die tiefst gelegenste Wüste der Welt. Es ging unter anderem darum, nachzuweisen, dass es möglich ist, selbst in Wüsten Wasser aus der Luft zu gewinnen.

Begrüßen möchte ich heute Herrn Karl-Heinz Geppert aus Weinheim. Unter seiner Reiseleitung durch Israel im Jahr 2000 hat eigentlich das Projekt der Alpha Spring-Stiftung seinen Anfang genommen.

Was ist eine Stiftung?

Eine Stiftung unterliegt dem deutschen Stiftungsgesetz. Meist beschäftigen sich Stiftungen mit Förderung von Wissenschaft und Forschung, mit förderungswürdigen Vorhaben. Stiftungen sollen neue Wege eröffnen oder gemeinnützig sein.

So ist die Alpha Spring-Stiftung eine gemeinnützige Stiftung mit dem Zweck der Förderung der wissenschaftlichen Forschung und Entwicklung, insbesondere im Bereich der Wassergewinnung aus atmosphärischer Luft sowie der Eindämmung der globalen Verwüstung.

Es geht um Entwicklung, Konstruktion und Fertigung von Wassergewinnungsanlagen aus atmosphärischer Luft. Es geht darum, der Verkarstung und Verwüstung von Lebensräumen entgegen zu wirken und um die Versorgung von Menschen, Tieren und Pflanzen mit Trink- und Brauchwasser, oder Wasser zur Bewässerung von Land- und Forstwirtschaft in bestimmten Weltregionen. Der Wirkungskreis der Alpha Spring-Stiftung

, wie Sie leicht erahnen können, ist also nicht auf Deutschland beschränkt.

Nun stellt sich die Frage, was sind das für Leute, die sich hier versammeln zu einem Stiftungsfest mit der Vision, der Welt Wasser zu geben. Sind es die altmodischen Gutmenschen, die immer Gutes tun? Sind es Altruisten, sind es Menschen, die religiös motiviert sind, Menschen mit sozialem Anspruch? Menschen, die ihr soziales Gewissen beruhigen wollen im Angesicht ihres Wohlstands? Technokraten, die fasziniert sind von einer technischen Idee, Menschen, die Innovationen in unserem Land fördern wollen?

Ich denke, von allem finden wir hier unter uns etwas.

Welche Motive gibt es eigentlich, die Alpha Spring-Stiftung zu unterstützen?

Wenn Sie mal gesehen haben, wie Mensch und Vieh verdursten, wenn Sie gesehen haben, wie ganze Landstriche fruchtbarer Äcker verdorren oder Menschen gesehen haben, die kontaminiertes, unreines Wasser zu sich nehmen müssen und dadurch krank werden, dann haben Sie in der Regel schon eine erste Motivation.

Laut Unicef sterben täglich 13 000 Menschen an nicht vorhandenem oder kontaminiertem Wasser, davon 9 000 Kinder. Wasser bedeutet Leben - ohne Wasser ist es schnell zu Ende mit uns, den anderen Lebewesen, der grünen Natur überhaupt. Bevor wir das Licht des blauen Planeten Erde sehen, verbringen wir neun Monate unseres Lebens, umgeben in einer schützenden Hülle aus Fruchtwasser.

Das meiste an uns ist Wasser!

13 000 Menschen sterben täglich!

Aber abseits jeglichen Mitleids und jeglicher Sozialromantik gibt es auch handfeste Gründe, uns nicht nur wie mitleidsvolle Betrachter eines fernen, grausamen Szenarios zu fühlen, sondern wahrzunehmen, dass wir selbst Teil eines Systems sind und jegliche Veränderung und jeglicher Zustand in diesem System indirekte und direkte Auswirkungen auf uns hat.

Sie wissen, dass wir auf der Wollmarshöhe (als, sagen wir mal, systemisch denkende Mediziner) eine Vorliebe für die Betrachtung komplexer Zusammenhänge haben (Körper, Seele und Geist sind eins - der Mensch lebt in seiner Umwelt und in dieser wird er krank!).

In diesem Sinne gilt es nicht nur, irgendwo in einem fernen Land einem fernen Menschen Wasser als Lebensgrundlage zu geben, sondern es geht auch darum, nicht selbst in einem komplexeren System unterzugehen. Da wären wir bei einer weiteren Motivation.

Es ist ein irreales Wunschdenken, an jeglicher Realität vorbei, zu glauben, es beträfe nur die da drüben und nicht uns.

Einer rückwärts gewandten Fixierung und der Glaube, dass bei uns schon alles so bliebe, wie es ist, wird schon mit der immens zunehmenden Dichte der menschlichen Gemeinschaft, der hohen Mobilität und des rasanten Wissenstransfers in der Welt ad absurdum geführt.

Das, was wir Globalisierung nennen, ist nicht etwas, wo man dafür oder dagegen sein kann, sondern eine Tatsache, mit der wir uns auseinander setzen müssen.

Noch glauben wir uns auf einer sicheren Seite - die da drüben, wir hier. Selbst schon in der Begrifflichkeit trennen wir die Welt: z. B., wenn wir von der Verarmung in unserer Gesellschaft sprechen. Aber keiner wird bestreiten, dass Armut in Indien oder Afrika für etwas anderes steht als Armut, die wir hier meinen. Und diese Armut wieder, die wir hier heute meinen, steht für etwas anderes als die Armut, die vor zwei oder drei Generationen hier noch herrschte.

Und ein Begriff, der beliebig mit Inhalten gefüllt werden kann, kann uns eigentlich keine wirklichen Auskünfte über die tatsächlichen Gegebenheiten auf der ganzen Welt mehr geben. Und wenn schon unsere Sprache nicht geeignet ist, die Ganzheit der Welt zu erfassen, sehen wir wieder unser irreales Wunschdenken, es gäbe die eine und die andere Welt.

Ja, vielleicht noch, aber unsere sozialen Netze werden schon grobmaschiger, das Wachstum kleiner, die Probleme größer und wärmer wird es auch - und glauben Sie nicht, dass die, die kein Wasser haben, auf Dauer tatenlos jenen zuschauen, die es haben. Dies entspräche nicht der Wirklichkeit, dem Prinzip des Lebendigen und dem Überlebenswillen jedes Einzelnen.

Kurzum - Armut und Not auf der einen Seite gefährdet den Weltfrieden und unsere vermeintliche Sicherheit.

Dies könnte eine weitere Motivation sein, die es sinnvoll macht, Projekte wie Alpha Spring zu fördern.

Ich bin bestimmt kein Mensch, der Horrorszenarien an die Wand malt, Angstgefühle schürt und Jammerei Vorschub leistet. Aber es wird auch Zeit, dass wir wahrnehmen, was wirklich ist!

Im Gegenteil, ich möchte jeden einzelnen Menschen auffordern, die anstehenden Herausforderungen für sich selbst, für die anderen Menschen, für die Gesellschaft, für ein gelingendes Leben mutig anzunehmen und mit der Bewältigung von Problemen gemeinschaftlich und einzeln zu wachsen.

Probleme bedürfen der Lösung. Das war schon bei den Mammutjägern so und hat sich bis heute nicht geändert. Sie gehören zum Prinzip des Lebendigen. So wird unsere Zukunft davon abhängen, ob es uns gelingt, die anstehenden globalen Herausforderungen zu bewältigen.

Und wenn Ihnen das zu weitgreifend und zu fern scheint, gibt es natürlich auch eine naheliegende motivierende Option und es ist nicht mal die schlechteste: Vielleicht denken Sie an die Arbeitslosigkeit im Land und dass das Hemd näher ist, als die Hose!

Sie hören es jeden Tag, dass Innovation, Wachstum und Unternehmungen gefordert werden. Und es ist verdammt nicht leicht, Innovationen, Visionen und Ideen durch deutsche Bürokratie und die Angst in diesem Land zu schleusen.
Ich weiß, wovon ich rede!

Ein hochrangiger Politiker sagte neulich zu Herrn Thielow: "Was Sie da machen ist Quatsch, Wasser haben wir genug in Deutschland." Ich habe selten etwas Dümmeres gehört!

Die große Wertschöpfung für unseren Wohlstand geschah und geschieht durch unser Wissen und Kapital. In Zusammenschau der vorhergehenden Generationen sind wir als Nation hoch wissend geworden. Es kam praktisch zu einer Wissensexplosion, die uns die hohe Wertschöpfung ermöglichte. (Wenn ich einen Bagger habe, um ein Loch zu graben, bin ich tausendmal produktiver, als der Mann mit der Schaufel.)

Die hoch entwickelte Maschine, so auch Alpha Spring - so Gott will -, verschmelzt Wissen und Kapital zu einer eigenen produktiven Existenz, zu einer hohen Wertschöpfung, nicht nur für die Wasserlosen, sondern für diesen Staat, dieses Land BadenWürttemberg.

Das ist noch unsere momentane Stärke. Und das waren bis jetzt allemal die Füllhörner unseres Wohlstands. Und Innovationen, Technologien und Wissen sind im internationalen Wettbewerb höchst profitabel und können gut vermarktet werden. Das ist das klassische Argument, dem sich selbst der konservativste Volkswirtschaftler nicht verschließen kann.

Die innovativen Bereiche bestimmen das Niveau einer gesamten Volkswirtschaft.

Von der Nächstenliebe bis zum klassisch volkswirtschaftlichen Argument soll alles hier gelten in gegenseitiger Wertschätzung jeder individuellen Motivation.

Es existiert mehr denn je ein unabwendbares Auf-einanderangewiesen-sein in diesem Staat und auf dieser Welt.

Das ist die Überschrift für die Zukunft.

Wir kennen die Zukunft nicht. Meist wird sie anders, als wir glauben. Aber die Verantwortung für eine gelingende Zukunft beginnt im Hier und Heute, jetzt und bei jedem Einzelnen.

Und wenn wir etwas haben wollen, was wir noch nie gehabt haben, müssen wir etwas tun, was wir noch nie getan haben!

Wir würden uns freuen, wenn jeder auf seine Weise mit seiner Motivation als Botschafter für Alpha Spring, als Botschafter für Wasser für die Welt dieses Gründungsfest heute Abend verlassen würde.

Vielen Dank!



Kilian Mehl, Wollmarshöhe, 13. März 2005