Jubiläumsfundstücke 1955 - 1970


1. Abitur an der Zevener St.-Viti-Schule (ZZ 08.03.1963)

Einst alter Kasten" - jetzt moderne Oberschule (ZZ 23.11.1960)

Eine gesunde, gut überschaubare höhere Schule! (ZZ 05.06.1959)


08.03.1963

Die Zevener Zeitung gratuliert herzlich: 1. Abitur an der Zevener St.-Viti-Schule

Morgen vormittag ist Abschlußfeier / Ein Ende hat die Prüfung

32 überglückliche junge Menschen können aufatmen: das Stadium der Prüfungen ist für sie vorbei. Als erste Abiturienten der Zevener St.-Viti-Schule öffnet sich ihnen nun der Weg ins weitere Leben. Die Leitung der Prüfung hatte Frau Oberstudiendirektor Dr. Pietzner von der Ricarda-Huch-Schule in Hannover. Zur Eröffnung der Abiturientenprüfungen waren als Vertreter des Schulträgers Zevens Bürgermeister Dr. Eickhoff und Stadtdirektor Kuhlmann anwesend. Die Prüfungen dauerten vom 5. bis 7. März. Wie Frau Dr. Pietzner

erklärte, haben die Prüfungsergebnisse das gleiche Niveau wie im ganzen Landesdurchschnitt ergeben. Das heißt: alle jungen Menschen aus den Klassen 13s und 13m haben ihr Abitur bestanden. Am morgigen Sonnabend um 10.30 Uhr in der Turnhalle der St.-Viti-Schule sollen die jungen Menschen in einer feierlichen Abschlussfeier offiziell entlassen werden. Die ZEVENER ZEITUNG gratuliert den glücklichen Abiturienten recht herzlich und wünscht ihnen für ihren ferneren Lebensweg alles Gute!

Wer nach langen Wochen intensiver Vorbereitungen auf das Abitur gepaukt und gebüffelt hat, um auch sicher über die Runden zu kommen und es dabei ohne eine einzige Ausnahme geschafft hat wie die jungen Menschen der beiden Klassen 13m und 13s der Zevener St.-Viti-Oberschule, freut sich begreiflicherweise und darf nunmehr seiner vorher arg bedrängten Seele — „Werde ich es auch schaffen?" — nach Herzenslust Luft machen. Die glücklichen ersten Abiturienten taten das auf eine sehr nette, humorvolle Weise: am Zevener Markt wurde auf den Feuerhaufen geworfen, was einst die Gemüter bedrückte. Latein, Mathe, Bio — hinweg mit den Büchern. Ein Narr, wer die jungen Menschen nicht versteht . . .


23.11.1960

Einst "alter Kasten" - jetzt eine moderne Oberschule

Heute Feierstunde aus Anlass der Fertigstellung und Übergabe der neuen Schulgebäude

Blick in einen der modernen Klassenräume der Oberschule

Z e v e n. „Ich stimme der Errichtung einer Höheren Schule zu Ostern 1955 zu, unter der Voraussetzung, dass die erforderlichen Schulräume geschaffen und mit dem Aufbau der Schule so ausgebaut werden, dass sie nach Größe, Einrichtung und Ausstattung den Erfordernissen einer Höheren Schule entsprechen." — Diese Nachricht des niedersächsischen Kultusministers vom 29. Oktober 1954 war der Startschuss für Zevens Oberschulbau. - Was damals vorhanden war, konnte keine großen Hoffnungen erwecken: Ein „alter Kasten", wie das ehemalige RAD-Gebäude genannt wurde, in dem 25 Familien wohnten. Trotz vieler Schwierigkeiten wurde in kürzester Zeit Beachtliches geleistet: Ostern 1955 konnte, wie vorgesehen, der Unterricht in zwei Klassen beginnen.

Inzwischen sind fünf Jahre vergangen. Das Grundstück am Schienenstrang der WZT-Eisenbahn hat ein anderes Gesicht bekommen. Entsprechend der Anweisung des Kultusministeriums hat die Stadt Zeven Zug um Zug die Oberschule ausgebaut. Heute können im Rahmen einer Feierstunde Schulgebäude und Einrichtungen offiziell übergeben werden. Damit ist Zevens Oberschule — von einigen Arbeiten am Sportplatz abgesehen — fertiggestellt.

Dieses Junge Pferd, eine Worpsweder Arbeit von dem Künstler Ulrich Conrad, steht im Treppenhaus von Zevens Oberschule. Es ist ein Geschenk der Elternschaft der Schule aus Anlass der Fertigstellung der Gebäude.

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Fast wäre das ehemalige RAD-Gebäude, das nach erfolgtem Ausbau sozusagen das „Stammhaus" der ganzen Oberschule wurde, in das Eigentum des Kreises Bremervörde übergegangen. Das war 1953. Da hatte man dieses Gebäude nämlich dem Kreis angeboten, der es — zum Glück, muss man heute sagen — für eine Kreisberufsschule als ungeeignet hielt.

„Dieser Tag", so sagte Bürgermeister Dr. Eickhoff damals am Freitag, dem 17. April 1955, „ist von besonderer Bedeutung in der Entwicklungsgeschichte der Stadt auf kulturellem Gebiet. Das wird vielleicht erst nach Jahren richtig erkannt werden." An diesem Tage begann der Unterricht. Es waren fertiggestellt: Zwei Klassenräume, zwei Lehrerzimmer, ein Lehrmittelzimmer, das Treppenhaus (in dem damals die Einweihungsfeier stattfand) und die notwendigen sanitären Anlagen. Die Heizung hatte man bereits für den ganzen Schulkomplex bemessen und eingebaut.

Dieses Buntglas-Fenster wurde vom Kunsterzieher der Zevener Oberschule, Studienrat Eisbrecher, entworfen und In einem Zevener Handwerksbetrieb hergestellt. Es wurde ebenfalls aus der Elternspende finanziert und Ist somit ein weiteres Geschenk der gesamten Elternschaft an die Zevener Oberschule.

Im Zuge des ersten Bauabschnittes wurde zunächst der Altbau erweitert. In ihm befinden sich jetzt 8 Klassenräume, l Raum für den Gruppenunterricht, eine Handarbeitsklasse, die Verwaltungsräume und ein Werkraum, ferner die notwendigen Nebenräume.

Nach der entscheidenden Ratssitzung am 8. Dezember 1958 wurde der weitere Aufbau der Zevener Oberschule in Angriff genommen. Die Architektengruppe Schweizer (Braunschweig) hatte eine Zielplanung aufgestellt, die die Billigung der Ratsherren fand. Zunächst wurde — in Verlängerung des modernisierten Altbaues — der Sonderklassen-Trakt geschaffen. Hier sind jetzt Chemie-, Biologie-, Zeichen- und Musikraum untergebracht worden. Rechtwinklig zum Altbau und durch überdeckte Pausenhalle mit diesem verbunden, errichtete die Stadt einen neuen Klassentrakt, wo vier Klassenräume eingerichtet wurden.

Als letzter Bauabschnitt kam in diesem Jahr die Turnhalle mit Gymnastikraum dazu. Sie ist ebenfalls mit dem Klassentrakt durch einen überdachten Gang verbunden. Ein moderner Fahrradstand wurde errichtet und Lauf- und Weitsprungbahnen und ein Spielfeld angelegt.
U. H.

Das ist die Zevener Oberschule ...

... deren Gebäude und Einrichtungen heute im Rahmen einer Feierstunde offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden. Rechts im Bild ist das „Stammhaus'', das ehemalige RAD-Gebäude, zu sehen. In seiner Verlängerung (längs des WZT-Schienenstranges) findet man den Trakt mit den Sonderklassen (Chemie, Biologie, Kunsterziehung, Musik), im Anschluss daran den Fahrradstand.

In der Bildmitte ein Bau, der vier Klassenräume mit dazugehörigen Nebengelassen aufgenommen hat und links im Bild die moderne Turnhalle, in der heute am Spätvormittag die Einweihungsfeier stattfindet.

Deutlich sind auch die Verbindungsgänge, die zur überdachten Pausenhalle erweitert wurden, zwischen den einzelnen Gebäuden zu erkennen. Eine aufgelockerte Bauweise, die nach entsprechender gärtnerischer Gestaltung ansprechend wirken wird.


23.11.1960

05.06.1959

DIE ST.-VITI-SCHULE IN ZEVEN:

Eine gesunde, gut überschaubare höhere Schule!


Elternversammlung der Oberschule / Schüleraustausch mit England / 67,5 v. H. von auswärts

Zeven. Zur ersten Elternversammlung im laufenden Schuljahr konnte der Vorsitzende des Elternrates, Prof. Dr. Heinsen, zahlreiche Eltern der Jungen und Mädchen begrüßen, die die St.-Viti-Schule in Zeven besuchen. Das Lehrerkollegium der Oberschule nahm an dieser Zusammenkunft, die trotz kleiner Tagesordnung eine Fülle interessanter Einzelheiten brachte, teil. Wie Prof. Dr. Heinsen betonte, habe man bewusst den Rahmen der Elternversammlung nicht zu weit gespannt, um anschließend den Klassenelternschaften Gelegenheit zu geben, anstehende aktuelle Fragen, z. B. die Schulwanderungen, im kleinen Kreis zu besprechen. Der Vorsitzende nahm dann kurz zum weiteren Ausbau der Oberschule Stellung und betonte, dass die Oberschule Zeven Ende dieses Jahres — bis auf die Turnhalle — sich als fertiger, in sich geschlossener Schulkomplex, präsentieren wird.

Um den neu hinzugekommenen Eltern einen Überblick über Sinn und Zweck der Elternspende zu geben, erläuterte Prof. Dr. Heinsen Einzelheiten dieser freiwilligen Spendenaktion, durch die in einem jeden Schuljahr ca. 2300 bis 2500 DM zusammenkommen und ausgegeben werden zugunsten aller Schulkinder. Mit diesen Geldern werden, wie Prof. Dr. Heinsen mit Nachdruck unterstrich, dem Schulträger, d. h. der Stadt Zeven, keine Verpflichtungen abgenommen. Vielmehr gehe es darum, aus diesem Fonds jene Dinge zu beschaffen, die für den Unterricht zwar nicht unbedingt nötig, aber wertvoll sind und z. T. auch dazu dienen, in den Schulräumen die rechte Atmosphäre für die Arbeit im Schulalltag zu schaffen.

Aus dieser Elternspende wird auch die Schülerbücherei weiter ausgebaut, die von den Jungen und Mädchen in zunehmendem Maße benutzt wird und eine wertvolle Hilfe ist bei der Erziehung zum guten Buch.

Oberstudienrat Dr. S t r u c k gab seiner Freude Ausdruck, dass nunmehr der Turn- und Sportunterricht an der St.-Viti-Schule auf fachlich richtige Weise erteilt werden kann. Das wird möglich durch Dipl. Sportlehrer Karl P o l l n o w, der seine fachlichen Kenntnisse an der Sporthochschule Berlin erwarb, und Fräulein Elke Thies, die die Gymnastikschule Hannover besuchte. Beide gehören jetzt mit zum Lehrerkollegium der Zevener Oberschule. Ferner konnte der Schulleiter Stud.-Assessor H o l z e vorstellen, der in Zentralfächern eines neusprachlichen Gymnasiums, in Deutsch und Englisch, Unterricht erteilen wird. Evangelischen Religionsunterricht erteilt Pastor H o y e r (Selsingen). Solange, wie es bei dem Mangel an Lehrkräften nicht gelingt, einen Musiklehrer an die Oberschule Zeven zu verpflichten, wird Lehrer S p e t t m a n n (Bremervörde) das Fach Musik mit betreuen.

Wie Dr. Struck mitteilte, wird die Klasse 5, sollte sie durch Zuzug von Bundeswehrangehörigen weiter anwachsen, im Herbst geteilt werden. Damit würde auch die Frage nach einem Lateinlehrer akut.

Interessant waren die Angaben des Schulleiters über die Schülerzahlen. 290 Schüler besuchen zur Zeit die Oberschule Zeven, 171 Jungen und 119 Mädchen. Davon sind 176 Fahrschüler und 20 kommen per Rad: nach Zeven zur St.-Viti-Schule. Damit beträgt der Prozentsatz der Fahrschüler insgesamt 67,5. Aus der Stadt Zeven kommen 32,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler.

Dr. Struck tat dann noch einen Blick in die Zukunft und legte dar, wie die St.-Viti-Schule nach Aufstockung der Oberstufe aussehen wird. Die eingleisig ausgebaute Anstalt wird etwa 450 bis 460 Schüler haben und damit, wie Dr. Struck betonte, eine gesunde, gut überschaubare höhere Schule sein.

Interessant waren auch Angaben über Versetzungen. Die Zahl der Jungen und Mädchen, die das Klassenziel nicht erreichten, liegt unter Landesdurchschnitt! Im Land Niedersachsen sind es 11 Prozent der Jungen und 7 Prozent der Mädchen. In Zeven dagegen wurden nur 9 v. H. der Jungen und 6 v. H. der Mädchen nicht versetzt.

Der Schulleiter berichtete dann noch über Möglichkeiten der Förderung begabter bedürftiger Kinder. Ferner teilte er mit, dass es heute wesentlich mehr Möglichkeiten gebe, tüchtigen und begabten Abiturienten eine Unterstützung beim Studium zu gewähren als früher. Dr. Struck trug noch wissenswerte Einzelheiten aus der Versetzungsordnung vor.

Auf den Wert der S c h u l w a n d e r u n g wurde im Rahmen dieser Elternversammlung besonders hingewiesen. Solche Wanderungen schließen die Augen junger Menschen für die Schönheiten der Heimat auf, fördern die Gesundheit, erziehen zur Selbständigkeit und heben das Gemeinschaftsgefühl. Am Prinzip, erst die engere Heimat zu erschließen und dann weiter in die Ferne zu schweifen, wird auch in diesem Jahr festgehalten.

Zu einer ersten Begegnung zwischen englischen und deutschen Oberschülern in Zeven im Rahmen des Bundesjugendplanes wird es in diesem Sommer und Herbst kommen. Englische Schülerinnen und Schüler einer Oberschule in Cornwall werden im August als Austauschschüler erwartet. Der Gegenbesuch von Zevener Oberschülern soll im Herbst erfolgen. Dieses soll der Beginn eines Austausches sein, der - so hofft man - sich noch weiter entwickeln wird. In dieser ersten europäischen Begegnung, so wurde gesagt, mögen die Jungen und Mädchen den Wert der Fremdsprachen erkennen. Dr. Struck referierte vor der Elternschaft noch kurz über den R a h m e n p l a n, den Experten zur Lösung des deutschen Bildungsweg-Dilemmas aufgestellt haben. Ein Kernstück dieses Planes ist die Förderstufe. Nach Dr. Strucks Meinung werde aber der Schaden dieses Planes größer sein als der Nutzen, den man sich von ihm verspricht.

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U.H.

Horst Walther, Hamburg