Einsamkeit in den Wolken ...

Deutung eines bekannten Kunstkritikers

Der Held des dramatischen Geschehens (der linke Mann im Bild) sinkt gerade in dem Moment über seinem Wiener Schreibtisch zusammen, als ihn ein im Grunde innerlich unbeteiligter Projektmitarbeiter (der rechte, angeklebte Mann im Bild) ungebeten über die Beisl'sche Apologie im 7. Design-Inkrement in Kenntnis setzt.

Der Künstler inszenierte die völlige Belanglosigkeit der rechten Figur durch eine scheinbare, auf der formalen Ebene strandenden Synthese beider Themen (leerer Blick nach links oben).

Der Held nämlich entschwand bereits in Erinnerung an einen Abend in der Bierklinik (Flaschenmetapher) zwar nicht aus dem bildlichen Rahmen, wohl aber aus der bildlichen Realität. Im typischen Nebeneinander (und in diesem Fall Überordnung (!)) von realem Mythos und mystischer Realität offenbart uns der Künstler die rückhaltlose Seinsvergessenheit dieser unserer Arbeitszeit.

Im uralten Spiel der Zahlen setzt er kommentarlos die heilige Dreifaltigkeit der höchstchristlichen Kirche (die drei Wolken: großer Gott, sweet Jesus, kleiner Geist) neben die romantische Idee des siebten Himmels, zu dem ihm aber noch 4 Wolken fehlen.

Die Erlösung scheint nah: Gleich wird er die Flasche mit der linken Hand über der rechten Figur fallen lassen, die große Wolke besteigen und leise den schönen Götterfunken besingend auffahren zum oberen Bildrand ...

Oder habe ich etwa etwas missverstanden???



Horst Walther, Hamburg,