Horst Walther, Klaus Denart und Rüdiger Nehberg (von links), die im nächsten Jahr von Hamburg aus zu einer Äthiopien-Expedition starten wollen, hoffen dann, mit einem selbstkonstruierten Wassergewinnungsverfahren ihren Durst zu löschen: Ein Hohlspiegel sammelt die Sonnenwärme und konzentriert sie auf einem Brennpunkt. Hier steht ein Glasgefäß mit der Chemikalie Zeolith, die über Nacht im Freien Luftfeuchtigkeit aufgenommen hat. Die unter dem Gefäß entstehenden Temperaturen bis zu 300° C lassen die Feuchtigkeit verdampfen. Der Wasserdampf schlägt sich an einem kühleren Auslaufrohr nieder und läuft als Wasser ab.

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Drei Hamburger starten am Jahresbeginn zu großer Expedition

Hamburg (dpa). Der Hamburger Amateurforscher Rüdiger Nehberg (41), der 1975 bei dem Versuch, den "Blauen Nil" mit einem Boot zu bezwingen, von Eingeborenen Wegelagerern beinahe umgebracht worden war, bricht mit Jahresbeginn erneut zu seiner nunmehr fünften Expedition nach Athiopien auf. Konditormeister Nehberg, dessen Freund, der Kameramann Michael Teichmann, bei dem Abenteuer im vorigen Jahr ums Leben kam, will jetzt mit dem Fernsehjournalisten Klaus Denart (34) und dem Chemiestudenten Horst Walther (25) zu Fuß die Danakil-Wüste durchqueren. Um die Strapazen in diesem Gebiet von der Größe der Bundesrepublik, einem der heißesten Landstriche der Erde, durchzustehen, werden die drei nach einer an der Hamburger Universität getesteten Methode ihr Trinkwasser selbst gewinnen.

Umfangreiche Versuche an der Universität haben die drei abenteuerlustigen Hamburger in ihrer Meinung bestätigt daß selbst in der bis zu 60° C heißen von Schwefel und Salzfeldern durchzogenen Danakil-Wüste mit ihren noch aktiven Vulkanen Wassergewinnung möglich ist. Dabei will das Team unter der Leitung des Äthiopien-erfahrenen Nehberg einen alten Fremdenlegionärstrick mit Hilfe der Technik weiterentwickeln. Die "Wüstenhasen" wußten nämlich, daß Luftfeuchtigkeit, die sich nachts am Boden sammelt, am die Tage nach kurzer Bodenerwärmung unter einer Plastikplane kondensiert.

Dieses Prinzip in Verbindung mit der Chemie und der Sonnenenergie möchten Nehberg und seine Freunde sich zunutze machen, um die Wüstenluft "auszuwringen" und ihr die geringe Feuchtigkeit zu entziehen.

Wenn die drei Äthiopienforscher am 1. Januar in der Hansestadt aufbrechen, dann werden fünf Kilogramm der Chemikalie Zeolith und ein Parabol-Spiegel mit einem Durchmesser von einem Meter ihre wertvollsten Ausrüstungsgegenstände sein. Denn das Zeolith ist so "gierig" auf Wasser, daß es selbst In der Danakil-Wüste die geringe Feuchtigkeit wie ein Schwamm aufsaugt.

Die 200 bis 300° C Hitze, die nötig sind, damit die Chemikalie das Wasser wieder abgibt, sollen mit Hilfe du Spiegels, der wie ein Brennglas wirkt, erreicht werden. Die Sonnenstrahlen werden auf einen Punkt unter dem Behälter mit dem Zeolith gebündelt, und das Schwitzwasser wird über ein Rohr abgeleitet, um am Ende als destilliertes Wasser wieder aufgefangen zu werden. Mit ein paar Mineralien versetzt, ist es dann genießbar. So wird, scheinbar paradox bei einer Wüstendurchquerung, die Sonne der beste Freund der drei Forscher sein.

... schrieb die Zevener Zeitung am 24. Dezember 1976