... die nächsten zerschlugen die Wassergewinnungsanlage

Wüstenforscher Horst Walther hatte mit seinen beiden Freunden lebensgefährliche Begegnungen

bn. Veersebrück. Von Afrikas Wüstensonne braungebrannt und nach teilweise lebensgefährlichen Erlebnissen endlich wieder zu Hause meinte Chemiestudent Horst Walther (25): ,,Mein Abenteuerdurst ist erst einmal gestillt." kurze Zeit später: ,,Wenn ich mich erst wieder erholt habe, dann werde ich eines Tages wieder auf Reisen gehen." Wir berichteten wiederholt darüber: Horst Walther war Anfang dieses Jahres mit zwei Freunden zu einer bisher einmaligen Expedition nach Äthiopien geflogen: das Trio startete dort zu einem 1000 Kilometer langen Fußmarsch durch die Danakil-Wüste. Im Gepäck hatten sie eine selbstkonstruierte Anlage zur Wassergewinnung in einem der heißesten Gebiete der Erde.

Horst Walther mit einem Informationsheft über Eritrea. Links Vater Horst, rechts Mutter Annemarie. (Foto: W. Bonath)

In Begleitung von Einheimischen und Kamelen, die die Ausrüstung trugen, machten sich Horst Walther, Klaus Denart und Rüdiger Nehberg von dem Marktflecken Bati aus auf den Weg mit. vielen Fragezeichen. Es wurde heißer und heißer. 55 Grad im Schatten, 80 Grad Bodentemperatur. Walther bediente die Wassergewinnungsanlage. Sie funktionierte und bewährte sich, auch wenn sie noch mit Kinderkrankheiten behaftet war. Daß sie das Gerät nicht wieder nach Deutschland ,mit zurückbrachten, dafür sorgten Räuber.

Insgesamt dreimal wurde die kleine Karawane überfallen. Besonnenes Verhalten, der Trick, daß sie sich als Ärzte ausgaben und die Vermittlung der einheimischen Begleiter trug dazu bei, daß die drei Männer mit dem Leben davonkamen.

Mit Tabletten wurden die Räuber im ersten Falle überlistet. Die Herren mit den alten aber intakten Karabinern schluckten die Pillen und schliefen selig ein. - In einem, tückischen und unheimlichen Lavagebiet wurde die Truppe zweimal ausgeraubt. Dabei zerstörten die Räuber die Wassergewinnungsanlage. Sogar die Erpressung der deutschen Regierung war beabsichtigt.

Horst Walther: "Wir hatten jedoch einen Führer, der sich mit seiner ganzen Autorität für uns eingesetzt hat. Geklärt wurde allerdings nie genau, weshalb wir dort heil herausgekommen sind.

Nachdem die einheimischen Begleiter es vorgezogen hatten, sich von den drei Weißen zu trennen, die Situation immer ungewisser wurde und die Lebensmittel ausgingen, erreichten die Freunde nach einem Gewaltmarsch Eritrea.

Aufständische in diesem etwa 80 000 Quadratkilometer großen Provinz, (vier Millionen Einwohner) führen seit Jahren einen Kampf, um sich von der Zentralregierung zu trennen.

Die Wüstenforscher wurden hier als Freunde behandelt. Vier Wochen mußten sie sich jedoch weitgehend in Hütten aufhalten, um einigermaßen sicher vor den äthiopischen Flugzeugen zu sein. Den dreien gelang es schließlich, heimlich über die Grenze in den Sudan zu gelangen.

Nach vier Wochen hatten sie endlich das fehlende Visum. Bevor Walther mit gemischten Gefühlen afrikanischen Boden verließ, durfte er noch Gast beim deutschen Botschafter sein. Bei dem prunkvollen Dinner sollte er in seinen Jeans zu den ordensgeschmückten, mehr oder weniger wichtigen Herren, und den chicen Damen einen erfrischenden Kontrast bilden. Über Griechenland, wo Horst Walther Freunde besuchte, ging dann der Weg zurück und am vergangenen Wochenende nach Veersebrück zu den Eltern.

... schrieb das Hamburger Abendblatt am 9. Mai 1977