Horst Walther ist dabei, die Grundlage für ein Wörterbuch der modernen persischen Sprache zu schaffen. Vor dieser Riesenarbeit ist bisher jeder zurückgeschreckt . (Foto: Bonath)

"Keimzelle für ein Wörterbuch der Persischen Sprache"

Grundlage der bisher einmaligen Arbeit ist "Das Buch der Könige", das klassische persische Epos

bn. V e e r s e b r ü c k. Mit seinen 26 Jahren hat Horst Walther aus Veersebrück (an der B 75 zwischen Rotenburg und Scheeßel) schon viele Teile dieser Erde gesehen. Eine endgültige Liebeserklärung hat der frischgebackene Dipl.-Chemiker an der Hamburger Universität inzwischen aber abgegeben: "Ich habe Persien zu meinem Land erklärt." Bei Reisen in den mittelöstlichen Staat will es Horst Walther aber nicht bewenden lassen. Er ist vielmehr dabei, die Grundlagen zu schaffen für ein Wörterbuch der modernen persischen Sprache. Vor dieser Riesenarbeit schreckte bisher jeder zurück.

Chemische Reaktionsformeln und Sprachforschung - ein Widerspruch? Horst Walther: "Nein, für mich ist das ganz schlicht ein willkommener geistiger Ausgleichssport."

Dem Ganzen ging eine simple Erfahrung voraus: Bei seiner ersten Reise in einem alten VW-Bus in den Iran vor acht Jahren hatte der Abiturient Walther schnell erkannt, daß der Weg zu den Herzen der Menschen offen war, wenn der Fremde ein paar Brocken Persisch sprach: "Ich wurde freundlich aufgenommen und brauchte keine Tasse Tee mehr zu bezahlen."

Wieder zurück im kühlen Norddeutschland stand Horst Walthers Entschluss fest: "Jetzt wollte ich Persisch von Grund auf lernen. Mein Persischstudium an der Hamburger Universität war für mich quasi eine Erholung, Ganz locker und ohne Leistungsdruck." Das klassische persische Werk "Shahnameh" ("Buch der Könige") gehörte zum Mittelpunkt des Studiums. Es wurde um l000 n. Chr. von dem großen persischen Ependichter Abolghasem Ferdowsi geschrieben, besteht aus über 1000 Strophen, beschreibt die Geschichte des Perser-Reiches bis 651 und ist in einer überragenden Bedeutung vergleichbar mit dem Nibelungenlied.

Horst Walther: "Das Werk ist meisterhaft gedichtet und in Persien heute noch lebendig wie eh und je In Teehäusern wird daraus vorgelesen, denn die Hälfte der Iraner sind Analphabeten Überall sieht man an den Wänden Szenen aus dem Epos. Ferdowsi wird als Retter der persischen Sprache gefeiert."

Im Laufe des Studiums machte Walther Lehrer, Professor Dr. Khaleghi, er leitet an der Hamburger Universität die Neuiranische Philologie, den Vorschlag eine Bestandsaufnahme der in dem Werk vorkommenden Wörter anzulegen die sich persisch-deutsch und deutsch persisch ausdrucken lassen und diese anschließend zu ordnen.

Interessant: Zwischen dem Buch der Könige - Ferdowsi reduzierte die Sprache auf ihre indogermanische Wurzel dem Hildebrandslied, der Ödipussage und dem Irischen Heidenlied gibt es Parallelen.

Horst Walther machte sich an eine bisher einmalige Arbeit, denn ein entsprechendens Wörterbuch gibt es noch nicht. Zwar existiert ein deutsch-persisches Wörterbuch - seiner Qualität stehen die Sprachwissenschaftler jedoch kritisch gegenüber.

Und so sieht - einfach dargestellt - die praktische Arbeit des sprachbegeisterten Naturwissenschaftlers aus: Er setzt sich Im Rechenzentrum der Universität der Hansestadt an einem Computer und fordert das Magnetband an, auf dessen linker Seite die persischen Wörter gespeichert sind. Im Rahmen eines Sortierprogramms werden dann die Wörter nach ihrer deutschen Bedeutung geordnet.

Als zweiter Schritt erfolgt die Umkodierung: die aufsteigende Reihenfolge muss hergestellt werden! Im Deutschen heißen die ersten drei Buchstaben des Alphabets a, b, c ... - im Persischen hingegen a, b, p.

Die eigentliche Arbeit besteht im Zusammenstellen der Programme. Der Computer "spuckt" das Ergebnis nach 20 Minuten "Denkarbeit" aus. Das menschliche Gehirn benötigt mindestens vier Monate dazu.

Horst Walther: "Ich glaube, dass mein Arbeit für Reim- und Dialektforscher wichtig sein wird. Außerdem soll sie wenn ich damit im Herbst fertig bin, eine Keimzelle für ein Wörterbuch der heutigen persischen Sprache sein. Vor diesem Wörterbuch ist wegen der Mühseligkeit der Arbeit bisher jeder zurückgeschreckt. In der Iranistik gib es für uns noch sehr viel zu tun."

Bonath, Zevener Zeitung, 23. Juni 1978