Der UlKa-IRAN-Arc

So in irgendeiner stillen Minute habe ich mal geäußert, dass ich ein wenig über die Geschichte des Irans schreiben wollte. So möchte ich gleich an dieser Stelle äußern, dass ich nur Student im 3. Semester bin und ansonsten auch nur bis zur arabischen Eroberungszeit kompetent bin. Ich möchte deshalb nur einen stichwortartigen Überblick über einzelne Epochen des Iran geben. Da wir uns auf dieser Fahrt auch etwas mit dem Neolithikum beschäftigt haben, möchte ich über dieses Gebiet noch ein paar Äußerungen machen. Ansonsten beginnt dieser sketschhafte Überblick mit dem Reich Elam, erzählt ein bißchen über die Urarträer, von den Medern geht's dann zu den Persern, über Alexander und die Diadochen zu den Parthern und endet schließlich wieder mit den Persern.

Die Frühzeit

Also früher nahm man ja an, dass die Kulturen in den großen Flußtälern entstanden seien. Diese Ansicht ist heute überholt. Die ersten Übergänge vom Sammler- und Jägerdasein zeigen sich nicht in den Tälern des Nil, Euphrat, Tigris und Indus, sondern in den Gebirgsrändern. Dieser Übergang wurde eine Zeitlang in der angelsächsischen Literatur als "Neolithic Revolution" bezeichnet, die Amerikaner und Engländer sind heute dabei, eine völlig neue Richtung in der Archäologie zu verwirklichen und zu praktizieren: die sogenannte New Archeology. Im Iran gibt es eine ganze Reihe von ausgegrabenen Tells, so dass eine ziemlich vollständige Chronologie vorliegt, mit der ich aber hier den Laien nicht belasten will. An Literatur kann ich hier leider nichts angeben, da die Publikationen über sehr viele Aufsätze und Zeitungen verteilt sind und mir im Moment kein gutes zusammenhängendes Werk einfällt, wer sich aber für diese Zeit und den Wechsel in der Produktionsweise informieren möchte, der lese doch "The First Flower People of Shanidar". Über die neue Richtung in der Archäologie lese man z. B. Haggett: "Models in Geography", Clark: "Analytical Archeology", "Models in Archeology". Die Chronologien entnehme man Ehrich: "Chronologies", den geschichtlichen Abriß der "Fischer Weltgeschichte", den kulturellen Abriß A.U. Pope: "A Survey of Persian Art". Ansonsten verweise ich ausdrücklich auf die Manuskripte der Vorlesungen und Seminare von Herrn Prof. Dr. Klaus Schippmann, Göttingen, besonders Vorlesung und Übung Iran 1 + II, 1972-73. Hiermit möchte ich meinen allgemeinen Literaturüberblick beendet sehen.

Das Reich Elam

Die Elamer sind ein noch nicht genau bestimmtes Volk, die gleichzeitig oder kurz nach den Sumerern in der Umgebung von Susa im Bergland auftreten. Sie entwickelten eine eigene Schrift, das protoelamische, übernahmen aber später die gängige Keilschrift Mesopotamiens. Die Elamer lagen sich sehr häufig mit Bewohnern des Zweistromlandes in den Haaren, mit wechselnden Erfolgen. Einige sehr wichtige Fundstücke Mesopotamischer Geschichte fanden sich denn auch in elamischen Tepes als Beutegut verschleppt, wie z.B. die bedeutende Gesetzesstele Hammurabis von Babylon. Hauptstadt Elams war wohl Susa, das man als wirkliche erste Weltstadt ansehen kann. Die untersten Schichten sind neolithisch. Seine Bedeutung verlor es auch unter den Persern nicht, und noch heute ist es ein wichtiger Wallfahrtsort, da sich das Grab Daniels in Shush befinden soll. Die Franzosen graben seit dem vorigen Jahrhundert dort. Ihr Grabungshaus erhebt sich wie eine Burg über den Tell, sie haben aber dennoch noch nicht viel aus elamischer Zeit ans Tageslicht gebracht. Das kann auch daran liegen, dass Susa einer der größten Tells überhaupt ist. Anders sieht es in Tschoga Zambil aus. Dort wurde eine riesige Tempelpyramide freigelegt und z. T. restauriert. In der Nähe befinden sich auch Gebäudereste, die als erster bekannter Feuertempel gedeutet werden. Das Reich Elam bestand mit wechselnder Ausdehnung verhältnismäßig lange. Selbst unter den Achämeniden scheint es noch eine selbständige Stellung, der der Meder ähnlich, gehabt zu haben. Das liegt z.T. daran, dass alle Verwaltungsfachleute und Schreiber aus Elam geholt wurden. Um sich weiter zu informieren, lese man "Das Reich Elam" von Prof. Hinz, Göttingen.

Die Urartäer

Urartu war der große Gegenspieler der Assyrer. Das Reich erstreckte sich rund um den Urmia und den Van-See. Die Urartäer erscheinen zunächst als lose Konföderation der Nairiländer in den Assyrischen Analen. Über die Kultur und Kunst, besonders über den Festungsbau habe ich schon einiges in den Kommentaren ausgesagt. Die Urartäer waren ein typisches Bergvolk. Sie waren bekannt für ihren grandiosen Gartenbau. Ihre Städte legten sie in der Regel auf unzugänglichen Felsnasen an. Die Urartäer hatten einen Kriegsgottkult, Haldikult genannt. Der Gott wurde in turmähnlichen Gebäuden verehrt, die wegen ihres Aussehens Halditore genannt werden. Sie ernährten sich von Viehzucht und Ackerbau. In jeder Stadtanlage fallen die großen rotgebrannten Vorratsgefäße auf, die größenmäßig sich nur mit denen Kretas vergleichen lassen. Die Urartäer gingen dann in wechselnden Kämpfen mit den Assyrern und später im Skythensturm unter. Neuere Autoren nehmen auch an, dass am Untergang der Urartäer die Emder und Perser beteiligt gewesen sein können, da diese zum ersten Mal in jener Gegend in den mesopotamischen Schriften erwähnt werden. Die Hauptfundorte liegen in der Türkei, dem Iran, der Sowjetunion und ein paar im Irak. Die Urartäer sind erst spät ans Licht der Geschichte gehoben worden, deshalb ist auch die Literatur recht dünn gesät, wer sich ein wenig informieren will, möge das Buch "Urartu, das Reich am Ararat" lesen.

Die Meder

Die Meder standen immer ein wenig im Schatten der Perser. Sie sind wahrscheinlich gleichzeitig mit diesen eingewandert, haben aber als erste ein indogermanisches oder arisches Reich gegründet. Die Meder gelten auch noch in den Tagen der persischen Großkönige als freies und geachtetes Volk. Die Hauptstadt Medien war Ekbatana, ich verweise hier nur auf den Kommentar zu Hamadan. Die Meder waren bekannt wegen ihrer berühmten Pferdezucht. Das medische Reich dauerte nur ungefähr 100 Jahre, bevor es von den Persern überflügelt wurde. Eine Zeitlang glaubte man, der Feuerkult sei eine typisch arische, wenn nicht sogar nur persische Erfindung oder Tradition, dies wird aber inzwischen durch den Fund in Tschoga Zambil und durch den medischer Fundort Nush i Jan widerlegt. In Ekbatana selbst kann man wegen der rezenten Überredung nicht graben, so suchte man nach anderen Menisken Orten und fand Nush i Jan. Der Ort war eine kleine Festung, die nie erobert worden war, sondern irgendwann wegen Unbrauchbarkeit aufgegeben worden war. Dies hieß keine Kleinfunde, da die Besitzer ja alles mitgenommen hatten, dafür aber gut erhaltene Architektur. So fand sich dort ein zugemauerter Tempel mit einem quadratischen Grundriß, der durch Nischen zum Kreuz erweitert worden war und Nischenarchitektur, dies gilt aber nur für den Innenraum, da der Bau aus Lehmziegeln errichtet worden war, und die Außenseite noch nicht ausgegraben worden ist. Der Raum enthielt einen kleinen Feueraltar, versetzt in einer Ecke. Der ganze Bau war sorgfältig von unten nach oben zugemauert worden. Abwechselnd finden sich Bruchsteinschichten und Lehmziegel. Auch die Gewölbe im Vorraum waren bis unter den Scheitel zugemauert und dann an einer Stelle als Ausstieg durchbrochen. In der Festung befand sich noch ein inneres Fort und ein Magazin. Dies soweit als Beispiel für die medische Baukunst. Ansonsten sind die Meder außer bei der Besiegung der Assyrer und zusammen mit den Persern kaum ins Rampenlicht der Weltgeschichte getreten. Zu den Emdern fällt mir im Moment keine spezifische Literatur ein. In der Regel werden sie immer mit den Persern abgehandelt, und über die gibt es ja wahrlich genug Geschriebenes. So geht's weiter mit meinem kurzen Überblick. Jetzt beginnt erst die Zeit, die man persische Geschichte nennen kann, die Perser!

Die Achemäniden

Über diese Zeit gibt es soviel Geschriebenes, dass ich nicht viel dazu schreiben will und auch keine Literatur angebe. Aber es ist vielleicht doch interessant, dass die Perser zunächst im Gebiet hoch oben am Urmia gesichtet werden. Im Lauf der nächsten Jahrzehnte, man kann dies sehr schön in mesopotamischen Quellen verfolgen, zogen sie dann durch Khusistan, in die heutige Provinz Fars, die alte Persis. Von dort treten sie dann mit Riesensprüngen in die Geschichte ein. Kyros, der Reichsgründer, nimmt Babylon kampflos ein, der halbe Orient liegt ihm im Nu zu Füßen, dann Darius, er dringt bis an die bekannte westliche Welt vor und zieht weit hoch nach Rußland, dann Xerxes, dessen griechisches Debakel uns ja ausreichend bekannt ist, Artaxerxes und so weiter bis zum hellenistischen Sturm, bis das Reich schon leicht degeneriert unter einer Handvoll von griechischen Stiefeln zusammenbrach. Aber die Architektur wird noch in den Kommentaren über Pasargadae und Persepolis die Rede sein. Interessant ist aber, dass es den Persern gelang, diesen Vielvölkerstaat recht friedlich zusammenzuhalten, bevorrechtete Stellungen nahmen die Elamer in der Verwaltung ein und besonders eben die Meder. Sie tauchen immer wieder im Zusammenhang mit den Persern auf, so dass man von einer regelrechten Allianz sprechen kann, da ihre Macht nie gebrochen wurde und auch die Perser auf die medischen Kämpfer angewiesen waren. Im Orient taucht dann der Dareikos als überall geltende Währungseinheit auf. Auch der Kulturaustausch wird reger zwischen dem Osten, den Steppen und dem sogenannten Abendland, besonders mit den griechischen Küstenstädten, die den Persern zwar tributpflichtig sind, aber ansonsten recht unabhängig. So finden sich an persischen Bauwerken eindeutige Spuren griechischer Steinmetze. Das politische Schwergewicht verlagerte sich sehr schnell wieder aus der Stammlandschaft nach Mesopotamien. Die Hauptorte der Achämeniden waren Susa, die Hauptstadt Elams, Babylon, die Hauptstadt oder Großstadt Mesopotamiens und im Sommer Ekbatana, die Hauptstadt der Meder. Und dann ist da ja noch Persepolis, von dem wir noch nicht mal den persischen Namen wissen. Aber über die Streitigkeiten der Bedeutung der Perserstadt werde ich mich im Kommentar auslassen. Ich möchte es bei diesem kurzen Blick bewenden lassen und auch beim nächsten Thema mich aus oben genannten Gründen kurz fassen.

Alexander und die Seleukiden

Also, eins kann ich sagen: Der große kulturelle Umschwung kam mit Alexander nicht. Alexander durchraste mit einer kleinen Spezialisteneinheit, einer Art Kommandotruppe, den Orient, aber ein Reich schuf er nicht. Er gab einem degenerierten in toten Formen erstarrten Herrscherhaus nur den Abschiedspaß. Die Bevölkerung blieb die Gleiche, nur die Herrscher änderten sich. Ob sie besonders unter den späteren Seleukiden besser waren, läßt sich nicht sagen, da sich diese hauptsächlich mit kleineren und größeren Kämpfen mit den Ptolmäern, auch Lagiden genannt, und mit den Römern beschäftigten und sich des Ostens nur als Reservoirs für Kapital und Menschen bedienten. So liegen auch hier wieder die Städte in Mesopotamien, wie Dura, Europos und Seleucia, nah an der Grenze zum Westen. Im Hinterland gab es dennoch eine ganze Anzahl von rein griechischen Siedlungen, wie das jüngst Ausgegrabene an der Grenze zwischen Rußland und Afghanistan liegende Alexandreia Oxiana, eine rein griechische oder besser hellenistische Stadt. Dem Gebiet in Baktrien gelang es ja sogar, sich für hundert Jahre in Gestalt des Graeco-Baktrischen Reiches selbständig zu machen. Es gibt zwar spärliche Informationen, aber wer mit wem wann gegen wen verbündet war, läßt sich nicht genau sagen, denn dort überschneiden sich räumlich und zeitlich (Alexandreia Oxiana heißt heute Ai Chanum und liegt noch Afghanistan) die Kuschan, die Seleukiden, die Graeco-Baktrier, die Saken, die Parther und sonstiges Gemüse. Also, nun ...

Dei Parther

Die Parther waren lange Zeit ziemlich unerforscht und unbeachtet geblieben, obwohl sie z. B. die Römer ziemlich oft in die Pfanne gehauen haben, bei der Literatur verweise ich wieder auf Schippmann. Nur ist er noch nicht fertig mit Publizieren und so. Also, die Parther tauchen zunächst als Daher und Parner aus der Steppe auf. SIC b(setzen mehr oder weniger geräuschlos die Landschaft Parthien und nennen sich dann Parther, sie werden auch noch mal rausgejagt, aber so sicher ist die Chronologie noch nicht. Sie schließen viele Bündnisse mit allen und niemanden, und als sie sich stark genug fühlten schlugen sie nacheinander die Graeco-Baktrier, die Seleukiden und die Kuschan aufs Haupt, die Saken waren schon vorher gegen die Kuschan ausgeschieden. So, nun stehen sie ziemlich kulturlos im Leerraum. Ihre Hauptstadt war zunächst Nisa, soweit meine Geographiekenntnisse reichen, liegt das heute in Rußland, im alten Stammland Parthien. Dann verlagerte sich das Gewicht wie üblich nach Mesopotamien, wo sie sich dann gut mit den Römern schlugen, ich erinnere nur an die Crassus Niederlage bei Karrhae, wo der Tag mit 35.000 Römern begann, ohne Crassus mit 10.000 gefangenen Römern endete. Trotzdem hatten die Parther nie mehr als ein paar tausend Männer, ihre Heere bestanden hauptsächlich aus Lehenspflichtigen und Vasallen, sie bildeten nur eine kleine Oberschicht. Die Architektur erinnert im Äußerlichen an römische Amphitheater, was bei den vielen gefangenen römischen Zwangsarbeitern nicht verwunderlich ist, ansonsten zeichnen sie sich nur durch die Einführung des Iwans aus, jener an einer Seite offenen Gewölbe, die die sassanidische Architektur wesentlich bestimmen. Ansonsten stehen sie ziemlich kulturlos da, sie kontrollierten praktisch nur den Handel zwischen dem Osten und dem Westen, und deshalb gehe ich gleich zu den Sassaniden über.

Die Sanssaniden

Das sassanidische Herrscherhaus stammt aus der Persis und machte unter Ardashir dem Ersten nichts anderes, als die parthische Oberschicht abzulösen. Zunächst bauten sie sogar parthisch nach, wie z. B. Firuzabad, das nach dem gleichen runden Grundriß wie Gur errichtet wurde, doch über die Architektur werde ich schreiben in den Kommentaren. Also, die Sassaniden erfanden das Kuppelgewölbe über eckigen Grundrissen und schlugen die Römer, nahmen deren Kaiser Valerian gefangen, was so ziemlich einmalig ist in der römischen Geschichte, stellten sogar Rom einen neuen Kaiser zur Verfügung, den Rom natürlich nicht annahm und verwendeten das gute italienische Menschenmaterial, um Dämme und Paläste und besonders Städte nach römischem Muster zu erbauen. Noch heute tauchen überall sassanidische Königsnamen auf, wie Ardashir, Shapur, Yasdegird etc. Das beste Werk über die sassanidische Geschichte ist von dem Dänen Christensen. Tja, ich werde noch eine Menge über die Sassaniden bei den betreffenden Orten schreiben, da ich mich mit ihnen im letzten Semester eingehend beschäftigt habe. Es sei nur bemerkt, dass sie sich weiterhin erst mit den Römern um die Euphrat-Linie schlugen, ihre Hauptstadt nach Ktesiphon verlegten, dort den größten noch stehenden freitragenden Lehmziegel-Iwan der Welt errichteten, nebst größeren weiteren Palastanlagen wie Qasr i Shirin, das auch nicht auf unserer Route liegt. Tja, dann schlugen sie sich mit wechselndem Erfolg mit den Byzantinern, diese drangen bis Ktesiphon vor und bis Takht i Suleiman, im Gegenstoß die Sassaniden bis kurz vor Konstantinopel, dabei litt aber Ktesiphon mehr, und sie schlugen sich wie üblich mit den Steppenvölkern, bis sie dann völlig unerwartet aus Arabien überrannt wurden, drei Schlachten, und sie waren erledigt. Tja, das war's an Kurzinformation.

Bitte betrachte man dies nur als Anregung zum Weiterinformieren!

Horst Walther, Hamburg,