Der SiMeUlKa-Meshed-Report

Sir Meshedi UlKa presents:

The Big Mashad Report

Also wurde ich mehr oder weniger beordert, nach Mashad zu fahren, um die Ersatzteile zu besorgen. Der Giaur HoWa meinte natürlich, ich wäre nur wegen des Gelübdes, da ich Batul nicht bekommen hatte, zum heiligen Schrein pilgern, um dort mich der heiligen Abstinenz zu widmen! Nun ja, so fuhr ich denn mit einem projekteigenen LKW - selbstverständlich Mercedes - gen Maschad. Die Reise wurde tödlich. Zuerst konnte man wegen Sandsturm nichts sehen, dann wegen Nebel, dann wegen Regen und schließlich wegen Schnee. In der Ebene war die Straße gut, je höher man kam, desto schlechter wurde sie. Wir hatten bis Mashad zwei große und zwei kleine Pässe zu überwinden. Je höher man kam, desto größer wurden die Schlaglöcher, bis dann der Teer aufhörte und die Straße nur noch aus Löchern und Bächen bestand. Am schlimmsten wurde es an den Pässen selbst, dort gab es nur noch die tierische Schlammpiste! So kam es, dass wir nur im Schrittempo gen Norden zogen! um 10 waren wir dann endlich im heiligen Mashad Alis. Der Mercedesshop, bei dem ich mich mit Bild von HoWa vorstellen sollte, hatte natürlich schon zu, so wollten mich dann doch meine beiden Chauffeure vor einem großen Hotel absetzen. Aber "nein" sprach ich und ließ mich in die City bringen, wo ich mich von den beiden endlich friedlich nach mühsamer Vereinbarung eines Treffpunktes - "saad hasht Märzädäs richbane Bahar" - zog ich dann zu Fuß zur Moschee, um noch ein paar dufte Nachtaufnahmen zu machen. Dann krallte ich mir einen Polizisten nach dem anderen und erfragte eine Jugendherberge, die sich dann aber als schlampiges billiges Hotel herausstellte. Nun ja, ich sagte dem schmierigen Keeper Bescheid und bekam für 35 Toman mit drei Engländern ein Bett incl. Heizung. Die polizeiliche Meldepflicht erfüllte ich, indem ich die Spalten Beruf mit "Spy" und Zweck mit "having fun" ausfüllte. Die Nacht war beschissen, die Engländer spielten schlechtes Bridge, ohne um Geld. Na ja, ich pennte so gut es ging unter meinem Schwedenfell. Draußen schneite es wie wild. Die Engländer waren alle total abgehoben, sie hatten ein one-way-ticket nach Kathmandu in der Tasche und gedachten dort ihre Tage zu beenden. Das einzig nette und süße Mädchen war natürlich bereits die Geliebte des Reiseleiters geworden! wie das doch so häufiger vorkommen soll. Nun ja, um noch ein bißchen von Mashad zu sehen, stieg ich bereits um 6 aus meinem Parka, weckte den Schmierigen, ließ mir die Pforte öffnen und begab mich hinaus ins Schneetreiben.

In Mashad gibt es ein heiliges rundes Stadtviertel, aus dem sich vier Minarets und eine goldene und eine blaue Kuppel incl. Schrift erheben. In dieses Areal gedachte ich nun so gegen 6.30 Uhr in aller Frühe einzudringen. ich ging zu einem der Eingänge, sah von weitem eine martialische Gestalt an der Pforte lehnen, worauf ich mich durch einige Seitenstraßen verzog und mich mit einem mal in einem von Iwanen gebildeten prächtigen Innenhof befand. Ich zog genüßlich den Photo, machte Klick und ich wurde einigen Moslems gewahr, die mit wahren Stielaugen nach mir gierten. Da ich annahm, das nicht alle Perser so offensichtlich schwul sind, so nach einem gieren, wie diese es mit wahren Greiffingern taten, mußte dies auch schon einen anderen Grund haben. Dieser wurde mir auch sogleich gewahr, als ich von vier Händen nebst goldbetreßten Mützen gepackt und unter Zornesrufen zum Tor hinaus geschubst. Es scheint mir, ich habe meine Wallfahrt mit Erfolg beendet, somit werde ich meinem Namen das iranische Gegenstück zum Hadschi, nämlich Meschedi voraussetzen!

Also von da begab ich mich dann in Richtung Treffpunkt auf. Der Boden war von Schnee bedeckt, es schneite wie HoWa (= Teufel) und dazu schoben die Bewohner noch den Schnee von den Dächern, alles in allem also sehr ungemütlich. Dann ging meine Odyssee in Sachen Einzelteile los, nur mit dem Unterschied, dass Odysseus weniger Sprachschwierigkeiten hatte, ich dagegen immer nur Hauptbahnhofsvorsteher verstand. Nun, wir schossen von einer Werkstatt in die andere. Ein komplettes Willysjeepteam war damit beschäftigt, meine seltsamen Bewegungen und eine Zeichnung in konkretes Neupersisch zu übersetzen. Der deutsche Perser, von dem ich das Foto mit hatte, war natürlich nicht mehr da, was das ganze noch erschwerte. Nun, es gelang mir, doch in 5 verschiedenen Geschäften die notwendigen Teile aufzutreiben. Danach verbrachte ich noch 1 1/2 Stunden mit stupiden Postbeamten, um unsere Filme wegzuschicken! Mit dem Jeep kauften wir dann noch Hühner und Bier und Whisky und Parfum und etc. für die Arefs ein. Nach Mashad, da lang ...

Gegen Mittag ging es dann endlich wieder aus Mashad mit seinen Schneebergen los. Der Wagen war voll mit Getreide etc. Die Hühner konnte man nicht hinten unterbringen, da sie dort als Gefriergeflügel in Shahabad angekommen wären. So war es denn meine Aufgabe, die Hühner daran zu hindern, dem Fahrer zwischen die Beine zu schlüpfen, was mir unter Aufbietung aller Brutalität auch gelang. So fuhren wir gackernd durchs Schneetreiben, das sich nach 100 km zwar nicht in Wohlgefallen doch aber wenigstens in Regen auflöste. Die Fahrerei war noch schlimmer, da wir ja jetzt voll beladen waren. meine Fahrer ließen sich nichts ausgeben, lediglich einen Beutel Bonbons akzeptierten sie. Unterwegs bannte ich endlich mal ein paar Dünen auf die Mattscheibe. Außerdem gelangen mir dann gegen Abend noch ein paar schöne Fotos aus dem fahrenden Wagen. So gelangte ich dann erschöpft aber voll inneren Friedens wieder in unsere Heimstatt, wo mir dieser sogleich wieder versauert wurde.

 SiMeUlKa

06.03. Die Lähmung des Riesen

Soweit Simeulka, für heute haben wir die Abfahrt festgelegt. Es ist zwar längst noch nicht alles getan, was da getan werden sollte, aber ich finde, es hat sich dennoch ausgerastet und wir sollten losfahren. JöJa ist seit gestern übrigens auch körperlich ausgeflippt. Seine Schultern und sein rechter Arm sind steif und schmerzen bei jeder Bewegung. Die gleiche Krankheit soll der Chefhosseyn übrigens auch haben, weshalb JöJa bei Farah einige Pillen erben konnte. Nun, während Simeulka gerade wie ein Wilder am Wagen rödelt, schläft unser leicht demoliertes Prachtstück friedlich mit einem Gesicht wie ein etwas aus dem Leim gegangener Engel ...


Also ich verwehre mich erst einmal gegen die Bezeichnung Simeulka! Das ist eine Verhonepipelung meines ehrenvoll errungenen Titels, ich bitte doch deshalb um die Schreibweise Si-Me-UlKa! - Danke Draußen schneit es übrigens fürchterlich. JöJa geht's ziemlich dreckig Er hat jetzt bald an allen Muskeln und Gelenkpartien Schmerzen, ein wenig Rötung ist auch dabei. Ich habe ihm bereits gestern abend Azurtabs gegen Rheumaschmerzen und Dolo-Menthoneurin Gel zum Einreiben verschrieben. Am Wagen habe ich heute versucht, das Thermometer und den Thermostaten hinzukriegen. Da aber der Chefmechaniker nicht da war, lief das aber Oberhaupt nicht, und das was gemacht wurde, habe ich dann selber gemacht. Nach dem Essen, das JöJa verweigert - er klopft dennoch irre Sprüche und versucht damit anzudeuten, dass er nicht reif ist für den Zinksarg - werde ich den Leuten da mal gehörig einheizen, denn wenn wir JöJa in aller Stille erst verscharrt oder in ein Qanat geworfen haben, wollen wir beide ja eine Zeitlang zusammen weiter fahren, mal sehn, wer's überlebt!

Das mit HoWa geht mir mal wieder auf die Nüsse. Heute mittag gab es "Fesenjan", also Huhn in Walnuß und Granatapfelsoße auf Reis - wahnsinnig gut. JöJa haben wir etwas zurecht gemacht. Ich ging wieder zum Wagen basteln und HoWa schlafen. Da in der Werkstatt nichts vernünftiges an Menschenmaterial mit Fähigkeiten herum lief, ging ich erst einmal Pepsis holen. Inzwischen war der persische Arzt eingetroffen. Herr HoWa beliebte zu ruhen, so dass ich abermals in die Kälte hinausschob, um dem Arzt mehr oder weniger am Arm hierher zu schleppen. An Medikamenten gibt es im Iran sehr wenig, so dass ich meine noch holte, wobei denn das Passende dabei war. Auch mit den Spritzen haperte es in Shahabad. Man durchsuchte den ganzen Ort, fand aber nur eine, so möchte ich als Historiker sagen, archaische Klistierspritze, dabei haben wir im Wagen genügend neue Plastikspritzen, hygienisch und praktisch. Nur war HoWa leider mit dem Wagen unterwegs - Erprobungsfahrt! Na ja, es klappte dann doch, der hiesige Krankenpfleger verpaßte JöJa zwei Stöße aus besagtem Objekt! Inzwischen ist HoWa wieder da, aber am Wagen hat sich nichts geändert. Ich muß also jetzt wieder raus in die Scheiße. So, der Wagen ist jetzt wieder o.k. Es bedurfte nur weniger kleiner Handgriffe, bis das Thermometer vernünftig eingebaut war und der neue Thermostat richtig installiert war. Morgen fahren unsere Gastgeber weg. Wir wollen nach Möglichkeit natürlich mit Rücksicht auf JöJa's angegriffene Gesundheit auch nicht viel länger bleiben, sondern zu unserem dicken Bankmenschen zum Fressen und Saufen fahren. Ich bin häßlich meint Farah! Buh!

Der JöJa liegt im Bett, kann sich nicht rühren - und will trotzdem Farah verführen.

JöJa:

Im Beckenbereich habe ich wenig Schmerzen.

Ich bin nicht aufgelegt zum Scherzen.

-

Wenn Farah kommt oder geht - bei uns ein lustiges Windlein weht.

Es kommt fast so weit, dass er auch steht.

Denn er ist's, um den sich alles dreht.

-

Doch unsere ers sind schon so blind.

Weil doch die Mädchen hier so keusch sind.

-

Zu hause wußte ich, was ich tät'.

Denn dort ist es nie zu spät.

-

Ein Mägdelein so zart und fein.

Müßte jetzt mein Kopfkissen (Kopfkissenzerwühler) sein.

-

Der HoWa ist ein geiles Schwein.

Jeder kann sehn in seine Hose hinein.

-

Wenn er raus holt sein vieles Geld.

Sieht sein Glücksbringer die ganze Welt.

-

Inzwischen sind sie beide schwul.

Sie tanzen bereits um einen Stuhl.

UlKa:

Ooohhh, Farah ist wieder da!

Gesicht und Busen muß sein auf dem Bild.

Sonst werden nicht die Männer wild. (Hat HoWa gesagt).

HoWa:

Nein, habe ich gar nicht gesagt!

DIE SPINNEN, DIE RÖMER, ÄH, DIE BEIDEN FLIPPEES!

Farah hat Bilder mitgebracht, die gleich auf ihren Sexualwert, Schwestern und so - untersucht werden! Heute sind 28 Jahre Dunkelheit vorbei. Bis dahin ist unser lieber JöJa nach eigener Aussage 28 Jahre lang im Dunkeln getappt!

Welche Einsicht, seine Sexualeinstellung beginnt sich zu bessern, er hat sich soeben gegen den Kuhhandel, Farah gegen eine ihrer Schwestern ausgesprochen, er meint neuerdings, das sollten die Frauen selber entscheiden! Also hier hat sich so ziemlich alles wieder in Wohlgefallen aufgelöst! Ich träume bereits von langen Sandstränden, in Chahar Bahar soll es sogar Beatschuppen und Bands geben, mal sehn, was das gibt. Da kann ich nur singen ...

Summertime and the living is easy

Fishes are jumping and the cotton is high

-

Well your Daddy is rich man an your Mam is good looking.

So hush, little Baby, don't you cry

-

One of these mornings you gonna rise up singing.

And you'll take me up to the skies

-

Well, an on this morning there's nothing gonna hung on you.

With Daddy an Ma standing by.

-

Well, summertime an living is easy.

Fishes are jumping an the cotton is high

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Soweit meine Impressionen...

 UlKa

Yeah, summertime, das wäre jetzt was! Big Baby rosig dick und quietschvergnügt sich Strande. Simeulka mit ein einem Weibe an der Hand. Ich als großer Taucher. Aber der Strand ist für unsere übergewichtige Ratte wohl doch nicht der richtige Angelplatz. Als der Herrgott diese traurige Type geschaffen hatte, muß er wohl nicht recht bei Troste gewesen sein, wahrscheinlich hatte er wieder Ärger mit seiner Frau und wollte nun allen Frauen eines auswischen, indem er einen solchen schwabbeligen Lustholzen zu uns Erdenbürgern ins Paradies sandte!


Briefe ...

 15. Esfand

Lieber WoZi,

wir sind hier den letzten Abend in Shahabad und haben schon fast alles ausgearbeitet, was sich vor unserem Zugriff nicht rechtzeitig retten konnte. Nun haben wir endlich auch Zeit, an Dich zu denken, nachdem wir lange genug an unser leibliches Wohl gedacht haben, wie Du aus dem Tagebuch entnehmen kannst. Es ist jetzt später Nachmittag, da wir dies schreiben, sozusagen die letzte Gelegenheit, denn droben im Hause unseres Chefs stehen schon einige Kästen Bier, die heute noch ausgetrunken sein wollen, und danach können wir' bestenfalls Live-Einschübe für das Tagebuch, nicht aber seriöse Briefe tippen. Nun fang aber nicht an zu bedauern, dass Du umgekehrt bist. Du kannst Deinem einzig wahren Freund HoWa ruhig glauben: Wir hatten unterwegs Pistenabschnitte, bei denen Dir die Nierensteine zu den Ohren herausgekommen wären, was besonders schmerzhaft sein soll. Aber ich sehe schon kommen, wir messen Dir öfter mal einen Brief schreiben damit Du die wichtigsten Dinge dieser Reise Oberhaupt mitbekommst. 50 reine Tagebuchseiten ist unser Werk schon stark, dazu Briefe, Pläne, Liedertexte und Fremdbeiträge. Wir erwarten übrigens auch von Dir einen Beitrag über Deine Heimfahrt! Doch jetzt JöJa weiter.....

Lieber WoZi,liebe Brigitte,

Ich hoffe, dass es Dir, lieber WoZi, wieder gut geht und Du die Nierensteine los bist. Es war vielleicht ganz vernünftig, dass Du nach hause gefahren bist, denn die Straßenverhältnisse wurden noch, sehr schlecht. Ich habe sehr viele Dias, besonders in Schahabad, gemacht. So kannst Du nachträglich die Reise doch noch lebendig miterleben. In Schahabad sind wir unheimlich freundlich aufgenommen worden, und ich bin mit dem Material, das ich sammeln konnte, sehr zufrieden.

Der Unimog ist gut gelaufen bis kurz vor Schahabad, dann war der Vergaser verstopft. In der Projektwerkstatt wurde der Schaden, sowie einige andere Mängel (Tank, Thermostat, usw.) kostenlos behoben. Der Aufenthalt war einsame Klasse! Leider habe ich noch von niemandem Post erhalten, obwohl ich Schahabad als erste wichtige Adresse angegeben hatte.

Dir und Deinem Schatz alles Gute und viele liebe Grüße von Deinem JöJa

P.S. Die Kameradschaft hat sich übrigens erheblich gebessert, so dass man es einigermaßen aus halten kann. Wenn Du Lust und Zeit hast, kannst Du ja einmal meine Mutter und Hannelore anrufen und sagen, dass es mir gut geht!

Lieber WoZi,

ich kann diese unpersönliche Geschreibse nicht mehr ab. Also bin ich auch so ein richtiger Trottel, meint JöJa zu mir, dabei habe ich ihm gerade eben mit meinem Medizin-Kasten das Leben gerettet. Ich komme gerade aus dem eisigen Mashad. Die Einzelheiten kannst Du im Tagebuch nachlesen. Da ich aber bis in den heiligen Zirkel vordringen konnte, kann ich mich jetzt "Meshedi" nennen. Also, Du kannst ja mal hauptpostlagernd (= poste restante) nach Chah Bahar schreiben, nein, stimmt gar nicht, schreib lieber nach Shiraz! Wir bleiben nur 5 Tage in "4 Frühling", so heißt der Ort nämlich auf Deutsch.

Also alles Gute!

Es grüßt Dich SiMeUlKa (Sir Meshedi UlKa)!

P.S. Kuß an Deine Frau!


JöJa muß schwitzen, und wir dürfen dürsten. Diese Hitze, die hier auch uns nicht verschont, trocknet so richtig die Kehle aus. - Doch, was ist denn das? Da klopft doch jemand an die Tür und herein tritt der grand Chef mit einer halben Kiste Bier. Oh, große Freude unter den Kindern Germanys. Jetzt wird es wieder lustig. Heimlicher Umzug von der alten Bauernbutze in ein modernes Haus. Die Erinnerung an Deutschland scheint hier in der Biaban (Einöde) viel Kraft zu geben. Inzwischen kommt auch unser Stern Farah in unser Fremdengemach. Wenn der Chef dabei ist, hat sie allerdings nicht viel davon, weil sie nicht viel versteht und der Chefhosseyn nicht gerne und nicht viel übersetzt.

So nebenbei erfuhren wir Neues über die Gegend hier vor dem Erdbeben. Der Großgrundbesitzer in dieser Gegend, der Alam, ist jetzt ein wichtiger Mann in Teheran und hat irgendein Ressort unter sich. Sein Vater hatte damals gegen Reza Shah, den Vater von Shah Reza, mit den Engländern kollaboriert und ist dafür gemeuchelt worden. An dem Tage, als er sich nach England (über Zahedan und Quetta) absetzen wollte, bekam er Besuch vom "Ostandar" und einem Arzt. Unter dem Vorwand, das Herz des Reiselustigen untersuchen zu wollen, verpaßte dann der zweifelhafte Arzt ihm eine Spritze, worauf dieser verschied, also der Gestochene. Der Garten hier in Shahabad war einige Zeit sogar Sitz der Englischen Botschaft, als der Boden in Teheran zu heiß wurde. Der Sohn ist in Persien wieder ein wichtiger Mann. Er hat die Tochter einer der reichsten Familien von Shiraz geheiratet, und auch hier für Shahabad hat er ja entgegen allen Bestimmungen sofort Geld bekommen.

Diese Dinge sind aber alle noch streng geheim, und es darf sie noch gar niemand wissen. Hosseyn hat sie wohl nur erzählt, weil er schon so müde und das Bier (Tuborg) so gut war. Ersteres war auch der Grund, weshalb er uns schon bald wieder verließ....

07.03 Schlamm-Schlachten

Der Schlammtag. UlKa, bzw. Simeulka und ich hielten es nicht mehr viel länger hier aus. Wir mußten wieder etwas Neues machen. JöJa ging es zwar schon wieder viel besser, aber unseren Vorschlag, doch tunlichst abzureisen, nahm er nicht gerade begeistert auf. Er war ja noch gar nicht ganz fertig. Nach langem Handeln kamen wir überein, dass UlKa und ich über Land fahren und die restlichen Dinge aufnehmen sollten und die Fahrt dafür nach dem bevorstehenden Arztbesuch losgehen sollte. Gegen 10 Uhr verabschiedeten wir uns von Hosseyn und Farah, die an diesem Tage auch abreisten - zu ihrer neuen Zweitwohnung nach Mashad.Oh, es spritzt ein wenig ...

Auf unserem Programm standen: Die Käserei in Shahabad 2, der dortige Kuh-, Kamel- und Schafstall. Hosseyn war diesmal zwar nicht mehr dabei, aber die Leute wußten alle, wer wir waren, und so wurden wir mit größter Höflichkeit behandelt. Zuerst die Käserei - eine Kostprobe überzeugte uns, dass hier tatsächlich bester Schafskäse hergestellt wird - dann der Kuhstall, der auch sehr modern und sauber war. Der Prachtbulle für die Zucht stammte übrigens aus Israel. Schaf- und Kamelstall befanden sich aber nicht im Dorfe direkt sondern bei der Frage danach wies man nur in eine unbestimmte Richtung. Aber das müßte doch zu finden sein. So viele Häuser gab es hier ja immerhin auch nicht. Als wir uns aber an den richtigen Weg heran gefragt hatten, war da eine Schranke, die uns Halt gebot, und der verantwortliche Knabe an der Schranke hatte doch tatsächlich die Stirn, uns abblitzen zu lassen. Der hatte wohl noch nie etwas von uns gehört. Na, der sollte noch etwas erleben. Wenn das der zweite Chef in S.B. I erführe. Aber zunächst gab es ja noch andere Wege zum Schafstall. Der, den wir erwischten, war zunächst ein ganz normaler Schlammpfad, mit tiefen Pfützen usw., also ein guter Weg. Aber dann war der Stall doch etwas seitlich versetzt neben dem Weg, und dazwischen lag aufgeweichter Acker. Die Bauern auf dem Felde wiesen uns ein einigermaßen freies Wadi als den Weg an, was UlKa aber nicht recht verstand, so dass er versuchte, neben dem Fluß zu fahren. Das ging dann auch prompt schief, und der Wagen saß trotz Vierrad und gesperrten Differentialen im tiefen Schlamm fest. Einige Zentimeter konnten wir uns noch voran arbeiten, aber dann ging es nur noch abwärts. Tscha, das alte Problem, für tiefen Schlamm haben die Reifen, zumal wenn abgefahren, nicht genug Profil. Da half wohl alles nichts, da mußten die Schneeketten aufgezogen werden. Doch zunächst kamen alle Bauern mit Spaten, Schaufel und anderen Grabgeräten von den Feldern und gruben die Räder frei. Wer hätte das gedacht? Da waren wir gleich wieder frei. Trotzdem, war die Lage noch nicht rosig, denn vor und hinter uns war gleichermaßen heimtückischer Schlamm. Da war aber noch die Möglichkeit zu wenden und ins Wadi hinunter zu fahren. Letzteres aber erwies sich als recht haarige Sache, bei der unser Wagen beinahe umgekippt wäre, denn das ganze mußte mit einer Mindestgeschwindigkeit gefahren werden, weil wir sonst wieder nicht durch das schlammige Flußbett gekommen wären. Als wir dann nach solcherlei Müh und Qual glücklich den Schafstall erreicht hatten, da stellten sich die Leutchen doch tatsächlich auf die Hinterbeine und wollten uns nicht einlassen. Na, was war das denn für ein abgelegener Winkel, dass bis hierher die Kunde von unserem glorreichen Einzug in S.B. I nicht vorgedrungen war? Da strengt man sich und andere unmenschlich an, um diesen Ort zu erreichen, und da erzählen die uns so etwas. Na, die sollten ebenfalls etwas erleben. Wir schworen grausamste Rache für diese Ignoranten.Rattazong ...

Aber erst nahmen wir noch den Freiluftstall für die Dromedare auf, der zwar im Prinzip gut, doch von dem starken Regen der letzten Zeit unheimlich aufgeweicht war. Die Furten von hier, also S.B. II und S.B. I kannten wir inzwischen ganz. genau, so dass wir jede mit der ihr gebührenden Geschwindigkeit nehmen konnten. Anderen LKW- Fahrern ging es da anders. Einer, der sich vorsichtig an unsere Hochgeschwindigkeitsfurt heran tastete, muß uns wohl für verrückt gehalten haben, als wir mit 70 Sachen auf das Wasser zu brausten, in aufspritzenden Wassermassen verschwanden und erst wieder im Rückspiegel auftauchten. Wider Erwarten hatte der Wagen auf jener Strecke zwischen den beiden S.B ' 's nicht Kopf gestanden, wie wir vorher angenommen hatten, sondern im Landrover fühlt sich die Straße nur viel schlechter an. Bekanntlich vollbringen wir ja öfter gute Taten. So wollten wir auch den Sherkat-eigenen Wagen, der sich neben der Straße festgefahren hatte, aus dem Dreck ziehen. Also gebremst und runter auf den Sommerweg. Aber ach, was war das? Da war ja noch gut getarnt ein Straßengraben zwischen den beiden Wegen gewesen, und in den war UlKa hineingefahren, ohne eine Idee mitliefern zu können, wie man hier wohl wieder herauskäme. Das linke Hinter- und Vorderrad waren bis zu den Achsen versunken. Die andere Seite hing dafür ganz grotesk in der Luft. Das wäre ein nettes Foto geworden, aber wie das Geschick es so wollte, waren gerade die Filme auf allen drei Fotoapparaten zu Ende und die Zeit zum wechseln reichte nicht mehr, da schon ein LKW aus dem Sherkat kam und uns aus dieser Fälle befreite. Den, um dessen Willen wir in den Schlamm gefahren waren, zogen wir danach dennoch heraus, unserer angeschlagenen Ehre wegen. Zu "Hause" wurde aus der Beschwerde zunächst noch nichts, weil uns unser Diener Haysal & mit einem ganz tollen Essen überraschte, das uns im Verein mit einigen Flaschen Bier den ersten Schwung nahm. Dafür konnte jetzt gepackt werden, denn der zweifelhafte Arzt hatte auch seinen Segen gegeben. Gegen 5 Uhr großes Verabschieden im Büro. Aber weg konnten wir immer noch nicht, weil JöJa ja noch nicht fertig war, und einige Pläne ja einfach noch erstellt werden mußten. Das zog sich zu UlKa's großem Unwillen bis ca. 18 Uhr 30 hin. Dann endlich ging es los. Wieder auf Achse - das ist genauso schön, wie ein ruhiges Plätzchen nach langer Fahrt. Das sollte nach JöJa's Aussage eine ganz mörderische Piste werden, wurde es aber nicht - zumindest bis Birjand. Vielleicht fühlte sie sich auch im Borgward, mit dem er hier schon einmal gefahren ist auch härter an.

Als wir in Birjand ankamen, war es bereits 10 Uhr. Aber wir beschlossen, dennoch zu unserem Freund, dem Bankdirektor zu fahren. Leichte Bedenken hatte ich allerdings doch wegen der fortgeschrittenen Stunde. Seine Adresse war eine typische Frageadresse, die man ohne Mithilfe der Bevölkerung nicht finden konnte. Sie lautete: Iran, "Khorassan, Birjand, 1.-Straße-der-Freude, Wohnung von Hosseyn Daghighi". Die Straße zu finden, bereitet ja keine allzu großen Schwierigkeiten, da der Iran seit einiger Zeit Straßennamen zur Pflicht gemacht hat. Aber wo die Wohnung von Hosseyn Daghighi war, das konnte doch nur ein Einheimischer wissen, denn die Häuser waren alle gleich, außen kahl und namenlos. Der Gute schlief tatsächlich schon, stand aber extra wegen uns auf und fuhr mit uns zum Bier holen. Ein Abendbrot, wenn auch nicht gerade üppig, wurde ebenfalls noch aufgefahren. Doch rechte Stimmung mochte nicht aufkommen. So ging man dann gegen 1 Uhr ins Bett. Ich in den Wagen, die anderen beiden im Wohnzimmer.

Horst Walther, Hamburg,