die diversen Vorworte

Vor-Vorwort ...

Auch wenn diese Reise mit einer Fehlplanung begann und mit einem Mißklang endete - unterwegs fielen wir teilweise der totalen Begeisterung anheim.

Das Vorwort von UlKa ist bereits wieder überholt. Ungewollt haben wir unterwegs gruppendynamische Prozesse durchlaufen. Das führte zu manchem wüsten Spektakel. Schließlich konnten wir hier nicht voreinander weglaufen. Wir saßen in unserer Pappmaché-Kiste und brieten im eigenen Saft. Als wir uns dann aber alles an den Kopf geworfen hatten, was sich das kranke Hirn auch nur ausdenken konnte, dann gab es nichts mehr, was uns trennte. Und heute - nach einer gewissen Karenzzeit - sind wir drei: JöJa, UlKa und ich wieder dicke Freunde.

Unter Normalbedingungen wären wir uns nie nahe gekommen.

Chronischer Geldmangel führte dazu, vorliegender Report nur mit den wenigen vorliegenden SW-Bildern illustriert werden konnte. Sollten einmal wieder bessere Zeiten über den Verfasser hereinbrechen, so werden Abzüge der sprechenden Farbdias noch ihren Platz im großen Rödel-Report finden.

HoWa, Hamburg, .. aber wann?


HoWa-Vorwort ...

Wie kam es eigentlich zur Entstehung dieses vorliegenden Werkes? Nun: Immer, wenn ich von einer längeren Reise zurückkam, wurde ich mit der gleichen unvermeidlichen Frage konfrontiert: ,,Na; wie war's denn?" und dann: ,,Das muß ja toll gewesen sein, erzählt doch mal!".

In irgendeiner der schillernden Bedeutungen des Wortes war es wohl auch toll gewesen, und so habe ich denn erzählt und erzählt und Bilder gezeigt und Andenken vorgeführt und wieder erzählt Aber dann irgendwann mittendrin, wenn ich gerade die Erlebnisse mit der größten Wirkung geschildert hatte fiel mir auf daß ich eben auf Wirkung hin erzählt hatte und nicht das was mich vor Ort selber bewegt hatte. Was könnte man dagegen tun? Man müsste - man müsste unterwegs ... ja, man müsste einfach unterwegs an Ort und Stelle sich alles frisch von der Seele direkt in die Maschine hineintippen.

Und das haben wir denn auch getan. Wir das sind vor allem UlKa und ich. In Teehäusern, Reparaturwerkstätten, im schwankenden, schüttelnden Wohnkoffer unseres braven Unimog während wilder Pistenfahrten oder einfach irgendwo in der offenen Wüste immer war die Schreibmaschine unser unvermeidliches Utensil. Und diesmal haben wir die tatsächliche Stimmung von unterwegs eingefangen. Sanft allerdings geht es da nicht immer zu, da wurde nichts nachträglich geschönt oder gestrichen. Alles, was in irgendeinem garstigen Augenblick vielleicht voller Wut in die Maschine gehämmert wurde wird hier knallhart präsentiert.

Uns haben einige Leute gesagt, man könne so etwas doch nicht veröffentlichen und wir seien doch ganz schön mutig, daß wir das tun und wenn das nun einer in die Finger bekommt, der keinen Spaß versteht. Nun, für Leute, die keinen Spaß verstehen, ist dieses Werk gewiß nicht geeignet. Ansonsten kann ich nur sagen: ,,Entweder ehrlich oder glatt und eingängig!" Wir sind nun mal keine Meissners oder wie sie heißen mögen. Dazu ein Beispiel:

Als ich zum ersten Mal nach Schwarzafrika kam, war ich zunächst schockiert über die harten und rassistischen Ansichten der dort lebenden Weißen. Als ich dagegen empört meine Einwände vorbrachte, schaute mich mein Gesprächspartner erstaunt an und fragte "Du bist wohl kein Rassist?" Dann schaute er mich eine Weile nachdenklich an legte mir die Hand auf die Schulter und meinte mitfühlend "Nun ja, mein Junge, du bist ja noch nicht lange in Afrika, warte mal ab."

Ein Rassist bin ich zwar nicht geworden aber ich habe manche extreme Haltung besser verstehen gelernt. Vor Ort sieht eben alles anders aus. Und das gilt auch für unsere vor Ort getätigten Äußerungen.

Im Übrigen ist dieses ein "offenes Buch", zu dem jeder der gerade "Bock" hatte, einen Beitrag leisten konnte. Das können wir ja aufrecht erhalten. Wenn sich jemand bemüßigt fühlt, eine Stellungnahme liefern zu müssen, so soll er es tun. Sie kommt dann mit in die nächste Auflage usw. Bis dann in 10 Jahren vielleicht der eigentliche Rödel-Text aus dem 20-bändigen Werk aus Rationalisierungsgründen herausgestrichen werden kann ...

Rödelei, was ist das eigentlich? Um diese Vokabel hat uns unser großer Freund bereichert. In irgendeiner linksgerichteten Jugendzeitschrift fand ich vor Jahren unter der Rubrik "Bundeswehrlexikon" fand ich zwischen Begriffen wie "Gulaschkanone" und "Nato-Slip (knieumspielt)" "Rödeln" erläutert: "Ausführen sinnloser, vom vorgesetzten als Schikane angeordneter, vom Untergebenen unwillig ausgeführte Tätigkeiten".

So ist das also!

Zum Schluß bleibt mir nur noch, jemanden zu rehabilitieren, der unterwegs die meiste Schelte abbekommen hatte, unseren braven Unimog. Aus der inzwischen gewonnenen Erfahrung heraus können wir sagen, daß alle aufgetretenen Defekte unserem eigenen menschlichen Versagen entsprungen waren.

Darum hat diese Pannenserie meine Unimog-Begeisterung auch nicht dämpfen können. - Im Gegenteil: In der Zwischenzeit habe ich an diesem herrlichen Basisfahrzeug (schließlich heißt es expandiert "Universal-Motor-Gerät") Bastelleien durchgeführt, die bei jedem braven TüV-Mann epileptische Anfälle hervorgerufen hätten.

Da war z.B. ein Autokran, mit dem ich ein Schlauchboot vom Hafenbecken direkt auf das Autodach hieven konnte. Und jetzt bin ich dabei in den klassischen Bundeswehr- (Benzin-) Unimog einen 5-Zylinder-Dieselmotor einzubauen.

Bevor der - hoffentlich mit einem dicken Fell bewaffnete - Leser an den Konsum der folgenden Seiten geht, möge er sich bitte vor Augen halten, daß die vorliegende Form dieses Werkes ohne die verständnisvolle Arbeit von SaSte, der göttlichen Tippse und Kugelkopf-Jongleuse, die vor keiner unleserlichen Textstelle kapitulierte, nicht möglich gewesen wäre

Und nun - man los!

Hamburg, September 1980


UlKa-Vorwort ...

UlKa's Erinnerungen an eine Iranfahrt ...

Tja, in den vorliegenden paar hundert Seiten wird über eine Iranfahrt berichtet, die gar keine werden sollte. So beginnt den auch diese Ansammlung von beschmiertem Papier mit den Bemühungen um eine andere Reise, eine Reise die uns ins unerforschte und wilde Oman führen sollte. Warum dies nicht klappte kann der wirklich ausdauernde und intelligente Leser diesen Blättern entnehmen.

Wenn der Leser lesen will, vorausgesetzt.

Dies ist kein Reisebericht im üblichen Sinn. Hauptsächlich ergehen sich hier die beiden Autoren in Spiegelfechtereien gegen einander, es wird polemisiert, gestritten, beschuldigt, geklagt, angeklagt, verdreht, überspannt, gelogen und so weiter. Es ist eher ein Buch für einen Psychologen denn für einen Leser, der sich für die Schönheiten des Orients interessiert. Deshalb: Vorsicht, nicht alles ernst nehmen!

Der vorliegende Bericht entstand zum größten Teil während Reise selbst, teilweise unter regelrecht abenteuerlichen Bedingungen. Deshalb ist die Qualität des Textes nicht immer so, daß man ihn auf Anhieb lesen könnte.

Durch die eingefügte Post und zahlreichen Papierkrieg, der unterwegs anfiel, haben wir versucht dieses Tipposkript aufzulockern. Leider sind die Papierbilder nie an Land gekommen, so dass es nicht möglich war, dieses Buch durch Bilder etwas anschaulicher zu machen.

Im wesentlichen dreht sich alles um den Unimog, unser vom Verfall bedrohtes Fahrzeug. Jetzt ist er bereits verkauft und es war auch für die drei letzten Teilhaber ein Verlustgeschäft. JöJa sitzt bereits an seiner Examensarbeit über das Projekt Shahabad. Zu ihm habe ich noch einen sehr guten und herzlichen Kontakt, da wir sehr häufig noch zusammensitzen und klönen, von damals erzählen. Mit HoWa schreibe ich mich von Zeit zu Zeit, ansonsten waren wir uns ja schon auf der Reise recht fremd. Mit WoZi verbindet mich nichts, genauso habe ich den Kontakt zu den drei Heidelbergern verloren, LoGe wohnt jetzt auch dort. Von Hugh und Pierre, sowie vom Osterinsulaner haben wir nie etwas gehört. Nach Shahabad hält JöJa einen lebhaften Kontakt aufrecht.

Ich habe jetzt ungefähr schon 6 oder 7 Mal über meine Reise Erfolg referiert, bin es aber langsam leid, den Leuten immer das selbe aufzutischen, deshalb werde ich jetzt dieses Buch immer herum geben, dann kann sich jeder selbst ein Bild machen. Trotz der mißlichen Reise denke ich noch häufig an die atemberaubende Schönheit der Gegenden, die wir durchfuhren. Die herrlichen Bauwerke und Ruinen. Ich werde wieder kommen. Zurück in die Salzwüste mit ihren Karawanserails, in die Savannen Belutschistans, an den persischen Golf, in die Ebenen der Provinz Fars, in die Berge Kurdistans, nach Hattusas, Persepolis und Firuzabad. Ich werde nie die Gesichter der Menschen vergessen die Strapazen der Piste und die Majästät des Landes

Hameln, 3. November 1974

Und wer's jetzt immer noch lesen will ist selber Schuld, aber vielleicht merkt er etwas von dem Zauber, der mich gefangen nahm und alle Widernisse und Entbehrungen dieser Reise ertragen ließ.


Vorbemerkungen zur ersten Auflage der "großen Rödelei"

UlKa

Abermals eine Vorbemerkung ...

Es gibt Bücher, die bestehen nur aus Vorworten, Einleitungen, Vorbemerkungen, Einführungen, Danksagungen, Vorworte zur 1234,73/4'sten Auflage ... Auch dieses Werk glänzt auf diesem Gebiet, so dass ich es mir als Mitautor nicht verkneifen kann, auch noch eines zu verzapfen. Mitautor ist so gemeint, wie es hier steht; denn der Motor des Zustandekommens dieser "öffentlichen Fassung" unseres privaten ,Beleidigungswerkes" aus dem Jahre 1974 ist HoWa. Abgesehen von einigen graphischen Ausschmückungen und Ideen organisierte HoWa die Redaktion, das Abtippen, Korrigieren und Drucken dieses Jahrhundertwerkes.

Sechs oder mehr Jahre liegen zwischen dem Entstehen und dem Erscheinen; eine Zeitdauer, die lang genug schien, um innere Wunden und Peinlichkeiten vergessen zu lassen, eine Art "historischer Tiefe" zu erzielen ..., Nostalgie allerorten! Die letzten Jahre haben nämlich beträchtliche Umgewichtungen der persönlichen Beziehungen, wie sie in dieser Duographie geschildert werden, mit sich gebracht. Irgendwie sind aber alle noch mit "dabei".

WoZi mehr zurückgezogen, hinter den sieben Bergen bei Alsfeld, bei seiner Schneekönigin; JöJa inzwischen verheiratet, bekindet und in Amt und Würden in Bamberg, schwarz, schwärzer, bayrisch ...; HoWa kämpft immer noch mit Chemikalien, persischen Wörterbüchern, Computern, Unimogs und spanischen Freundinnen in Hamburg; und meine Wenigkeit hat es nach langen Jahren archäologischer Wühlereien in Göttingen nach Kiel verschlagen, brrr, in den kalten Norden unserer über alles geliebten Filzoblik! ... Entschuldigung ... Republik! Auswanderungstendenzen unter den Teilnehmern unserer Reise sind nicht zu leugnen.

Mit WoZi waren die Kontakte immer etwas mager, hierzu kam ja dann auch noch die unglückliche Geschichte in Istanbul und Ankara, die in unserem Werk allerdings etwas überzogen dargestellt wurde. Auf jeden Fall haben JöJa und WoZi ihr Vorhaben mit der arabischen Halbinsel, besonders mit Oman, doch noch realisieren können. Insbesondere JöJa stürzte sich mit martialischem Forschungsdrang und Enthusiasmus in die Feldforschung, aus der seine kürzlich fertiggestellte Dissertation hervorging. Was den Arbeitseifer angeht, steht ihm HoWa, unser "Apeman", in nichts nach. Wenn er nicht gerade auf Fußmärschen durch diverse Wüsten ist, kann man ihn telefonisch in der Regel nur zwischen 24 und 6 Uhr erreichen! Dennoch hatte ich zu HoWa in den letzten Jahren den engsten Kontakt; zum Teil auch durch gemeinsame Arbeitsvorhaben bedingt.

Ansonsten traf man sich ein-, zweimal im Jahr auf meinen Parties in Göttingen, die inzwischen auch schon fast Geschichte sind.

Forschungsgeschichte" dagegen sind zahlreiche Passagen in unserer Duographie, die mit "Kommentar" gekennzeichnet sind. Dabei handelt es sich um die spärlich reflektierten Beiträge einer drittsemesterigen, archäologischen Wühlmaus! Nicht nur was die Vollständigkeit, sachliche Richtigkeit oder Tiefe meiner Beiträge angeht, weisen die Kommentare Mängel auf; sondern auch hinsichtlich der Orte selbst, die wir besuchten. Dies lag einmal daran, daß die Route nicht intensiv vorbereitet werden konnte, da sie "alle Nase lang" umgeändert wurde. Dieses Tagebuch ist außerdem voll der schönsten Ruinen und Trümmer, die wir n i c h t gesehen haben! Dann passierten auch Pannen, wo wir nächtlichst an den Sachen vorbei fuhren, aber auch der Streß mit der Route und der Piste forderten ihren Aufmerksamkeitstribut.

Unwissentlich "rödelten" wir z. B. in Bampur knapp zwei Kilometer von den Grabungsstätten entfernt. Arbeiten, die während der Reise entstanden oder mit ihr in direktem Zusammenhang stehen, sowie grundsätzliche Literatur zur Reise sind im Anhang in einem Literaturverzeichnis aufgeführt. Trotz aller Mängel hat unsere Tagebuchschreibweise (schönes Wort) inzwischen Schule gemacht; eine ganze Reihe von ähnlichen Tagebüchern haben sich inzwischen nicht nur bei HoWa und mir angesammelt. Dies bestärkte uns in der Absicht, diesen "Schinken" zu veröffentlichen.

Kernpunkt war bei uns zum Schluß der Reise nicht mehr die Archäologie, Geographie oder die Perser selbst oder gar eine archäologisch-kulturhistorisch-anthroposophisch-schöngeistige Fragestellung, sondern der Kampf mit der Piste, der Kampf mit dem Unimog und der Kampf mit den Mitfahrern. Nicht zuletzt verdankt dieser Reisebericht sein Entstehen einer gewissen Motorik, weite Passagen entstanden aus Selbstzweck, das Tagebuch war nun einmal da und mußte dementsprechend geschrieben werden ... sonst konnte ja auch zu guterletzt der "Gegner" einmal Recht behalten! Eine hochintellektuelle Reisebeschreibung á la "Spaziergang nach Syrakus" oder ein Handbuch für den Iranfahrer zu erwarten ... nun ja! Auch der Unimogfreund und Bastler kann aus diesem Werk nur lernen.

 "fahre nie 'ne Piste
  mit so 'ner ollen Kiste!"

Die Hauptperson der Reise war in jedem Fall der Unimog! Sein widersprüchlicher Charakter erhielt im Lauf der Reise und ihrer Darstellung im Tagebuch fast menschliche Züge ... was die Sache nur noch schlimmer machte. Er war auf jeden Fall ein guter "Aggressionspartner", wenn man gegen ihn trat, tat es weh und man richtete keinen Schaden an, trat man aber seine Mitfahrer . ..! Trotz aller Widernisse, die in dieser Duographie aufgelistet werden, darf nicht vergessen werden, daß er in den wirklich kritischen Situationen uns nie im Stich gelassen hat ... immerhin sind wir alle heil nachhause gekommen!

Zuhause erlangte der Unimog dann auch noch einmal geradezu publizistische Breitenwirkung ... in Breitwandcolour! Das letzte Mal sah ich ihn in dem Film "Die verlorene Ehre der Katharina Braun" (oder hieß sie "Blum"?!) in der großen Einkreisungs- und Überwältigungsszene mitspielen. Es rührte mich ans Herz ... das hinten angepappte Rad, das eingesunkene Dach, ... unverkennbar . -. und dann im Polizeikonvoi! Bleibt nur zu hoffen, daß unserem Unimog der "Starruhm" nicht in die Zylinderköpfe gestiegen ist, ... ein Kolbenfresser ... den hat er wirklich nicht verdient!

Eines sollte der Leser immer bedenken: Dieses Buch soll kein abschreckendes, sondern ein anregendes Beispiel zum Selberreisen sein!

Selberreisen heißt hier nicht mit Queckermann-, Tumb- oder Schlechtreisen zu fahren, sondern selbständig, bewußt und möglichst (fast) allein! Wir waren in der Hauptphase unserer Reise zu dritt und hatten schon dadurch sehr viele Möglichkeiten, Kontakte zu Land und Leuten aufzunehmen. Hinzu kamen die Zwangskontakte, die unser Unimog durch seine zahlreichen Marotten uns auferlegte! HoWa's Sprachgenie hat da häufig Wunder wirken müssen! Ohne unsere Kontakte zu den Persern wäre die Reise überhaupt nicht mehr durchführbar gewesen, spätestens seit Überschreiten der türkisch-persischen Grenze hätten uns die Reparaturen sonst "aufgefressen". Viele Menschen haben uns uneigennützig unterstützt, aufgenommen, bewirtet und weitergereicht. Wir danken ihnen besonders in diesen Tagen, wo durch die Wirren im Iran es schwierig wurde, überhaupt Kontakt zu halten.

Inzwischen soll man aber wieder im Lande des Ayatollah Khomeini relativ ungestört reisen können, es soll auch billiger geworden sein. Die Situation im Iran wird jedoch so lange gespannt und unsicher bleiben, wie die Geiseln in der amerikanischen Botschaft festgehalten werden. So ist das Erscheinen des Tagebuches auch im Zusammenhang mit den großen Veränderungen im Iran zu sehen. Es entstand in einer Zeit, wo der Entwicklungsboom des Shah-Regimes auf einem Höhepunkt zusteuerte, ohne tiefgreifende innerliche Veränderungen in der Bevölkerung verwirkt zu haben. Die agrarische Neugliederung, bekanntgeworden unter dem programmatischen Titel: "Die weiße Revolution" führte zu kolchoseartigen Betrieben, von denen wir zwei im Rahmen der Vorbereitung von JöJa ,5 Examensarbeit länger besuchten. Mir persönlich war es bereits damals 1974 klargeworden, daß eine mögliche Veränderung, eine Revolution durch den Islam bewirkt werden könnte. Allgemein wurden zu dieser Zeit die Macht, die Rolle und der Einfluß der Mullahs unterschätzt. Der Shah berief sich in seinen Programmen auf das "indogermanische Erbe" der Perser, symbolisiert durch Namen wie Kyros, Darius, Shapur und manifestiert in Massenorgien wie die 2500-Jahr-feier in Persepolis. Er konnte damit aber nicht 1300 Jahre Leben im Islam übertünchen; er forderte den Widerspruch geradezu heraus.

Es bleibt zu hoffen, im Interesse aller potentiellen Unimogreisenden Iranfahrer und besonders der Menschen in Persien, daß sich die Verhältnisse im "Reiche des silbernen Löwen" bald wieder normalisieren. Für mich könnte dies ein Zeichen für einen abermaligen Aufbruch sein!

UlKa, Kiel, im März 1980


JöJa's Brief

... oder "die ersten Dokumente"

Lieber HoWa,

WoZi, UlKa und ich haben gerade wieder zusammengesessen, Ich habe sie über unser Zusammentreffen unterrichtet. Sie äußerten den Wunsch, daß wir uns alle 4 recht bald noch einmal treffen sollten. Als Termin haben wir den 22.12.73 (Samstag) gegen 11 Uhr vormittags bei mit in Wunsdorf festgelegt. Teile mit bitte mit, ob auch Dir dieser Termin paßt. Wir haben Wunsdorf als Treffpunkt gewählt, weil es der zentrale Punkt ist.

Aus Oman habe ich noch keine Nachricht erhalten. Ich hin auch ziemlich skeptisch, daß wir doch noch ein Visum erhalten, denn seitdem sich die Krise wieder zugespitzt hat und die Saudiarabier jetzt sogar ihre Erdölfelder verminen, ist die Chance noch geringer geworden.

Wir haben beschlossen, zuerst einmal das Visum für den Irak zu beantragen. Anbei beide Antragsformulare, die Du mir bitte so schnell wie möglich mit den dazugehörigen Unterlagen wieder zuschickst.

Folgende Unterlagen werden noch benötigt ...

Schicke mir bitte alle oben aufgeführten Unterlagen so schnell wie möglich.

Viel Erfolg bei Deinen Klausuren und viele Grüße auch an Re.

JöJa

P.S: Teile mir bitte auch die genaue Anschrift Deiner Freunde in Bagdad mit, damit wir sie als Referenz angeben können!

Horst Walther, Hamburg,